"Mehr Rückgrat und weniger Buckerln"

29. April 2004, 19:41
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Bei der Aktionärsversammlung des Wiener Flughafens hagelte es heftige Kritik am Umgang mit dem scheidenden Finanzvorstand Kurt Waniek

Wien - 320 Aktionäre des Wiener Flughafens wollten es am Donnerstag bei der Hauptversammlung (HV) genau wissen: Warum wurde der Vertrag von Finanzvorstand Kurt Waniek nicht verlängert, was waren die Gründe dafür?

Ein bereits leicht verunsicherter Aufsichtsratschef, Hannes Coreth, wiederholte gebetsmühlenartig: "Ich habe Ihnen gesagt, dass Waniek auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Verfügung steht."

"Dividenden müssen stimmen"

Doch der betagte Aktionär gab sich damit nicht zufrieden: "Da schreibt doch die Presse etwas anderes, Waniek musste gehen, weil die Niederösterreicher ihn nicht mehr wollten. Für uns ist es doch völlig uninteressant, ob der Vorstand Kommunist, rot oder schwarz ist; die Dividenden müssen stimmen. Meine Herren, so geht das nicht, da braucht man nicht zur Löwingerbühne gehen, die findet hier statt", donnerte der Herr wortgewaltig in den Saal.

Mit stoischer Ruhe, manchmal mit Tränen in den Augen verfolgte Waniek die dreistündige HV; und musste schließlich gegen seine Überzeugung den Aktionären sagen: "Es war meine persönliche Überzeugung, meinen Vertrag, der mit Ende September ausläuft, nicht mehr verlängern zu lassen."

Aktionärsstruktur

Die beiden Länder Wien und Niederösterreich sind mit je 20 Prozent die größten Aktionäre. Zehn Prozent gehören der Mitarbeiterstiftung, der Rest ist börsennotiert. Doch über die Postenbesetzung entscheiden die Länder. Derzeit sucht offiziell ein Headhunter einen Nachfolger für Waniek.

Ob dieser Vorfälle wohl etwas verunsichert, bedankte sich Flughafenchef Herbert Kaufmann (der wie sein Kollege Gerhard Schmid auf einem "roten Vorstandsticket" sitzt und deren Verträge jüngst verlängert wurden) am Ende beim Aufsichtsrat mit den Worten: "Ich hoffe für uns, dass wir das Unternehmen die nächsten fünf Jahre begleiten dürfen."

"So ein Politikum!"

Mit Pfui-Rufen, Pfiffen und Zwischenrufen wie "so ein Politikum!" quittierten Aktionärsvertreter gleich zu Beginn der HV die Entscheidung von Wien und Niederösterreich, auf die Abberufung der Aufsichtsräte Christian Domany, (VP) und Hannes Fazekas (SP-Bürgermeister von Schwechat) zu verzichten.

Sie wurde obsolet, denn beide mussten schon im Vorfeld ihre Mandate zurücklegen. Niederösterreich schickte statt Fazekas Erwin Hameseder, Chef der Raiffeisen-Holding, und Wien statt Domany Karl Skyba (Exchef der Wiener Stadtwerke).

Anstelle des bereits im Vorjahr wegen "unerträglicher politischer Einflussnahme" zurückgetretenen Andreas Staribacher entsandte Wien Ex-BA-CA-Chef Karl Samstag.

Dem Abgang Staribachers wurde Respekt gezollt: "Hut ab vor Staribacher, der Mann kann sich in den Spiegel schauen." Und an Coreth gerichtet: "Sie sollten mehr Rückgrat vor den Politikern haben und nicht immer Buckerln machen." (DER STANDARD Printausgabe, 23.04.2004, Claudia Ruff)

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