Streit um ÖBB-Güterverkehr

30. April 2004, 15:10
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Uneinigkeit über Aufgabenverteilung in der neuen Bahn

Wien - Kaum gegründet, wird in der neuen ÖBB-Holding schon gestritten, was das Zeug hält. Zentraler Punkt ist die Aufgabenverteilung innerhalb des neuen Dreiervorstands, in den vor wenigen Tagen Generaldirektor Rüdiger vorm Walde, Finanzchef Erich Söllinger und HL-AG-Vorstand Josef Moser berufen wurden.

Für Aufregung sorgen vor allem Pläne, wonach die Bahn-Infrastruktur nicht nur im operativen Geschäft in "Bau" und "Betrieb" geteilt werden soll, sondern auch in der für die strategische Ausrichtung zuständigen Holding darüber.

Ursprünglich sollte je ein Holding-Vorstand für den Absatz, also die Personen-und Güterverkehrs-AG, zuständig sein und ein weiterer für die Bahn-Infrastruktur. Der Dritte im Bunde, der Finanzvorstand, ist für die Finanzen des Gesamtkonzerns verantwortlich.

Nun soll vorm Walde, dessen Weiterbeschäftigung im neuen ÖBB-Aufsichtsrat umstritten war, in seinen Kompetenzen beschnitten werden, erfuhr DER STANDARD aus Kapitalvertreterkreisen. Man wolle ihm keinesfalls den strategisch wichtigen Güterverkehr überlassen, heißt es, ist dieser doch der wichtigste Ergebnisbringer.

Vorm Walde ohne Zug

Zu diesem Zweck soll der auf den Bau von Hochleistungsstrecken spezialisierte HL-AG-Chef Moser doch nicht für Infrastruktur-Bau zuständig sein, sondern nur für Infrastruktur-Betrieb. Vorm Walde würde stattdessen zum obersten Bauherrn der Eisenbahner und wäre so vom Güterverkehr fern gehalten.

"Das wäre ein schwerer Fehler. Denn damit würde der im operativen Geschäft geteilten Infrastruktur die wichtigste Klammer fehlen", sagt ein Aufsichtsratsmitglied, das nicht genannt werden wollte.

"Die Geschäftsaufteilung ist noch nicht entschieden", verweist ÖBB-Präsident Reithofer im STANDARD-Gespräch auf die Aufsichtsratssitzung am 17. Mai. Es gebe gute Gründe gegen und für eine geteilte Infrastruktur-Zuständigkeit. Wie diese im Endeffekt aussehen werde, habe mit den handelnden Personen nichts zu tun.

Informationen, wonach Moser im Fall einer Infra-Teilung als Holding-Vorstand nicht zur Verfügung stehe, suchte dieser zu zerstreuen: "Das muss man nach sachlichen Gesichtspunkten beraten." (DER STANDARD Printausgabe, 23.04.2004, Luise Ungerboeck)

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