NATO-Generalsekretär "tief enttäuscht" über Albaner-Führung

23. April 2004, 19:10
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Hoop Scheffer diagnostiziert eine mangelnde Bereitschaft Verantwortung für die Geschehnisse im März zu übernehmen

Belgrad/Pristina - NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat am Donnerstag bei seinem zweiten Besuch in Pristina innerhalb der Monatsfrist seine "tiefe Enttäuschung" über die Haltung der Albaner-Führer bekundet. Bei einer Pressekonferenz in der Provinz-Hauptstadt sagte der NATO-Generalsekretär laut Medienberichten, dass er bei den Albaner-Führern nicht die genügende Bereitschaft gesehen habe, die Verantwortung für die Geschehnisse im März zu übernehmen. Beim bisher heftigsten Gewaltausbruch kamen in der Provinz lau jüngsten Angaben der UNO-Mission 19 Personen ums Leben, rund 4.000 Serben wurden vertrieben, 30 serbisch-orthodoxe Klöster und Kirchen in Brand gesteckt.

Habe sich ein höheres Verantwortungsbewusstsein erwartet

Er habe von den politischen Führern der Kosovo-Albaner ein wesentlich höheres Verantwortungsbewusstsein und eine wesentlich energischere Verurteilung der Gewalt sowie eine größere Entschlossenheit erwartet, die Ereignisse vom März nie mehr wiederholen zu lassen. Es genüge nicht, die Gewalt, nachdem sie passiert sei, zu verurteilen. Es reiche nicht aus, das Anzünden von Kirchen, Häusern und die Vertreibung von Menschen, nachdem sie passiert seien, zu verurteilen. Die Albaner-Führer müssten das verstehen und die Verantwortung übernehmen. Auch sei dies der einzige Weg für den Fortschritt des Kosovo, sagte der NATO-Generalsekretär laut Medienberichten. Er bekräftigte auch den Standpunkt der Staatengemeinschaft, dass die Standards vor der Aufnahme der Status-Gespräche umzusetzen sind.

Im Rahmen der NATO-Allianz wird nach den Worten von de Hoop Scheffer weiterhin die Möglichkeit erwogen, einen Beauftragten für das Kosovo zu bestellen. (APA)

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    Jaap de Hoop Scheffer in Pristina

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