Leon Zelman hofft auf Fischers Wahl

23. April 2004, 19:14
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Und er träumt, „bitter enttäuscht“ von der SPÖ, weiter von einem „Haus der Toleranz“

Wien – Leon Zelman hatte einen Traum. In diesem sah er nicht nur einen „Platz der Toleranz“ vor dem Parlament, sondern auch ein „Haus der Toleranz“, das eine Begegnungsstätte sein sollte für all die vertriebenen Juden. Denn sie würden – seiner Erfahrung nach als Leiter des Jewish Welcome Service – weiterhin an der Stadt, deren kulturelles Leben sie bis 1938 mitprägten, hängen: „Wir sind diesen Menschen etwas schuldig!“

Auch wenn er mitunter vom einem „Haus der Geschichte“ redet, das zu Missverständnissen Anlass gab und „patriotische“ Gegenpositionen (z. B. von Andreas Khol) hervorrief, meint er doch immer eines der Toleranz: „Auschwitz war das Ende, aber der Anfang war die Intoleranz“, sagte Leon Zelman am Mittwochabend beim Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA).

Und just das Palais Epstein am Ring sollte diese Begegnungsstätte im Sinne eines „lebendigen Denkmals“ (statt toten Steins) werden. Denn das Gebäude, von Theophil Hansen 1868–71 für den Bankier Gustav Epstein errichtet, sei ein geschichtsträchtiger Ort und geradezu ein Symbol.

Doch der Traum ließ sich nicht verwirklichen. BSA-Präsident Caspar Einem machte sich zwar als Wissenschaftsminister für das Projekt stark, aber er scheiterte selbst bei seinen Genossen: Die Präsidialkonferenz des Parlaments lehnte den Vorschlag, auf die Nutzung des Palais zu verzichten, zweimal mit den Stimmen aller Parteien ab. Also auch mit jenen der Grünen, was er, so Einem, überhaupt nicht hätte verstehen können.

Und SP-Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer, damals der Erste Nationalratspräsident, sei, so Einem, in einer „extrem blöden Situation“ gewesen: „Er hat sich an den Beschluss gebunden gefühlt.“ Leon Zelman, der im Rahmen der BSA-selbstkritischen Reihe „Der Wille zum aufrechten Gang“ sprach, war „bitter enttäuscht“. Vor allem von „seiner“ Partei. Aber Fischer werde er dennoch wählen. Denn die Hoffnung, dass dieser als Bundespräsident ein solches „Haus der Toleranz“ erwirkt, habe er nicht aufgegeben. Etwa gar in der Hofburg?

SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos meint: „Man sollte darüber nachdenken, das ist keine schlechte Idee.“ Bruno Aigner sagt, sein Chef Heinz Fischer werde „jeden vernünftigen Vorschlag“ unterstützen. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 23. 4. 2004)

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