Selbstvertrauen, made in America

25. April 2004, 23:36
posten

24 Spieler begleiten den Teamchef nach Prag - Einige Cracks haben ihren Weg in Nordame­rika gemacht, darunter nicht zuletzt Pöcks Sohn

Wien - Europa lässt sich noch ein wenig Zeit damit, Tschechien zu umarmen. Nur die 16 weltbesten Eishockey-Nationalteams preschen vor, Österreichs Mannschaft etwa reiste gestern schon nach Prag. Dort beginnt am Samstag mit der Partie Österreich gegen Frankreich die 68. Weltmeisterschaft, das Match wird ab 12.15 Uhr die neue, 17.000 Zuseher fassende Sazka-Arena wohl nicht bis zum letzten Platz füllen. Österreich hat in der unmittelbaren WM-Vorbereitung dreimal gegen die Deutschen verloren und zuletzt in Wien gegen Dänemark 2:2 gespielt, die Sieglosigkeit soll dem Selbstvertrauen keinen Abbruch tun.

Sieben WM-Neulinge

ÖEHV-Teamchef Herbert Pöck musterte gestern drei Spieler (Pfeffer, Kühn, Schuller) aus, in seinem 24-Mann-Kader scheinen immerhin sieben WM-Neulinge auf, darunter Goalie Bernd Brückler und Stürmer Thomas Vanek, die sich in der US-College-Liga einen (zwei) Namen gemacht haben. Vanek, der 2003 von den Buffalo Sabres als Nummer fünf gedraftet wurde, aber noch ein Jahr an der University of Minnesota verlängerte, schoss am Mittwoch gegen die Dänen das erste Tor der Österreicher, das zweite steuerte Matthias Trattnig bei.

Keine Abstiegssorgen

Auch Thomas Pöck, der Sohn des Teamchefs, hat in Nordamerika seinen Weg gemacht. Als bester Verteidiger der University of Massachusetts-Amherst wurde der 23-jährige Kärntner über Nacht von den New York Rangers engagiert, in seiner ersten NHL-Partie schoss er ein Tor, in der fünften ein weiteres. Die Rangers hatten bereits das Playoff verpasst, so konnte der Vater den Sohn ins WM-Team holen. "Wir wollen etwas erreichen", sagt nun der Sohn, mit "etwas" meint er "das Viertelfinale". In der Vorrunde treffen die Österreicher auf Frankreich (Samstag), Kanada (Sonntag) und die Schweiz (Dienstag). Die ersten drei erreichen eine Sechser-Zwischenrunde, aus der vier Teams ins Viertelfinale aufsteigen. Der Vorrundenvierte erreicht die Abstiegsrunde, die für Österreich insofern uninteressant wäre, als man an der WM 2005 als Veranstalter automatisch teilnimmt.

Pöck junior beim Team der Teams

Für den jungen Pöck stellen die New York Rangers das Real Madrid im Eishockey dar, er nennt sie "das Team der Teams". Sein Vertrag in New York läuft zumindest bis Saisonende 2005 - und sollte in der NHL ab Herbst tatsächlich gestreikt werden, weil die Verluste bauenden Besitzer den Spielern Rechte und vor allem Geld wegnehmen wollen, so wird Pöck einfach beim Farmteam der Rangers in Hartford spielen. Zum Schritt ins Ausland, den er vor vier Jahren gesetzt hat, kann er jedem Kollegen nur raten. "Wer sich steigern will, darf auf Dauer nicht in Österreich bleiben. So hoch das Niveau bei uns auch ist - in Skandinavien ist Eishockey ein Nationalsport, und in Nordamerika ist es Religion."

"Alles ist möglich"

Im Match gegen Dänemark haben die Österreicher relativ viele Strafen "genommen" (16 Minuten), daran sollte gearbeitet werden, bei der WM sind strengere Referees unterwegs als in der Erste-Bank-Liga. Mit einem Sieg gegen Frankreich soll die Pflicht erfüllt werden, doch auch für die Partien gegen Kanada und die Schweiz gibt Thomas Pöck eine Devise aus: "Bei einer WM, an einem Tag, in einem Spiel, ist für uns alles möglich." Und zwar immer. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. April 2004, Fritz Neumann)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Reinhard Divis (li) hat in Nordamerika wertvolle Eishockey-Erfahrung gesammelt.

Share if you care.