Ferreros First Pig

26. April 2004, 15:44
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Politiker in der Geschenkefalle: Was mit nützlichen und weniger nützlichen Souvenirs geschieht

Wien – Das ungewöhnlichste Geschenk im Bundespräsidentenwahlkampf war mit Sicherheit jenes lebende Glücksferkel, das Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider VP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner in Feldkirchen in einer mit Stroh ausgelegten Holzkiste überreichte. Ferrero entschloss sich, ihr First Pig in spe vorerst einmal zu begnadigen. Jetzt wird es auf einem Bauernhof nahe Villach drei Monate lang gemästet und soll dann nach Wien überstellt werden. FPÖ-Abgeordneter Uwe Scheuch: "Das Schwein gehört ihr – egal, ob sie Präsidentin wird oder nicht."

Lebendtiere sind – abgesehen im Hause Klestil – aber die Ausnahme auf der politischen Geschenke-Ebene. Im Regelfall wird allerlei Nippes überreicht. Besonders beliebt: Vasen, Kerzenständer, Schalen, Schmuckteller, Bildbände, Weinflaschen und CDs. Im innereuropäischen Raum haben Gastgeschenke überhaupt nur mehr symbolischen Wert. Eine größere Rolle spielen sie in arabischen und asiatischen Ländern.

Österreich schenkt traditionell Augarten-Porzellan und Swarovski-Kristall. Wer was bekommt, wird in der Protokollabteilung des Außenministerium genau vermerkt, damit nichts doppelt überreicht wird. Das Höchste, was Österreichs Politik zu vergeben hat, ist jenes Augarten-Ensemble namens "Die kämpfenden Pferde", das Präsident Thomas Klestil dem saudi-arabischen Kronprinzen Anfang April schenkte. Bruttoladenpreis laut Porzellanmanufaktur Augarten: Stolze 5486 Euro.

Weihnachtstombola

Was mit den Geschenken passiert, ist allerdings nirgendwo geregelt. Jeder Minister hält es anders damit. FPÖ- Klubobmann Herbert Scheibner musste einen Säbel, den er bei einer Reise nach Saudi- Arabien als Verteidigungsminister im Jahr 2001 in die Hand gedruckt bekam, wieder abgeben. Im Außen- und im Bundeskanzleramt werden Souvenirs wie Weinflaschen, Bildbände und Musik-CDs hingegen zu Weihnachten in eine Tombola eingebracht und verlost. Der Erlös kommt einem karitativen Zweck zugute. An der Verlosung nehmen "nicht leitende Mitarbeiter wie Amtsdiener, Chauffeure und Sekretäre" teil, wie Außenamtssprecher Johannes Peterlik erläutert.

Am einfachsten hat es Lebensminister Josef Pröll. Da verderbliche Güter bei ihm die Mehrzahl der Mitbringsel ausmachen, werden sie im Ministerium verteilt und gleich aufgegessen. Eine Ausnahme ist eine von Kindern bemalte Greenpeace-Holzkiste zum Schutz der Wälder. Sie steht als Blickfang in Prölls Büro. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.4.2004)

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    Scheibners saudisches Schwert musste er am Ende des Besuchs wieder abgeben.

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    Ferreros Schwein kommt in drei Monaten nach Wien - fertig gemästet.

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    Klestils Labradorwelpen sind Privatgeschenke des russischen Präsidenten Putin.

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    Lebensminister Pröll isst seine Geschenke auf - oder stellt sie sich ins Büro.

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