18 Prozent der Österreicher wollen EU-Beitritt der Türkei

26. April 2004, 15:11
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Umfrage der Gesellschaft für Europapolitik: Als Argument gegen Beitritt wird Zugehörigkeit zum Islam mehr als doppelt so häufig genannt als 1998

Wien - 18 Prozent der Österreicher haben sich im März und April dieses Jahres für einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen. Dies geht aus einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik hervor, die am Donnerstag in Wien auf einer Pressekonferenz präsentiert wurde. "Dieser Prozentsatz ist als gering zu betrachten", erklärte der Generalsekretär der Gesellschaft, Gerhard Bauer. Im Vergleich dazu hätten sich 1999 noch 25 Prozent der befragten Österreicher für einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen, im Ausgangsjahr 1998 seien es allerdings nur 15 Prozent gewesen. 2004 wurden insgesamt 994 Personen befragt.

Anhänger der Grünen halten die Türkei am häufigsten für die EU-Mitgliedschaft geeignet (28 Prozent), Sympathisanten von SPÖ (20 Prozent), ÖVP (18 Prozent) und FPÖ (14 Prozent) seltener. Jüngere Befragte halten laut Umfrage die Türkei in einem stärkeren Ausmaß für beitrittsfähig. Befragte mit einem Hochschulabschluss sehen einen EU-Beitritt jedoch nur geringfügig positiver als Angehöriger anderer Bildungsschichten.

Gegen einen EU-Beitritt spricht für 49 Prozent der Befragten bei möglichen Mehrfachantworten der Konflikt zwischen Kurden und Türken und für 44 Prozent, dass Türken auf Grund ihrer Gebräuche und Sitten nicht zu Europa gehören. 43 Prozent gaben als weiteren Grund die Zugehörigkeit zum Islam an. Wirtschaftliche Gründe wurden von 36 Prozent als Grund gegen einen Beitritt angegeben.

Die Zugehörigkeit eines Großteils der Türken zum Islam wurde mehr als doppelt so häufig als Argument gegen einen EU-Beitritt angegeben als dies noch 1998 (16 Prozent) und 1999 (20 Prozent) der Fall war. Auch unterschiedliche Sitten und Gebräuche sind 2004 öfters ins Treffen geführt worden (1998 32 Prozent und 1999 37 Prozent). Terroranschläge und die Kopftuchdebatte in einigen Ländern Europas könnten dazu beigetragen haben, erklärte Bauer. Der Kurdenkonflikt und der Konflikt mit Griechenland um Zypern nahm jedoch 2004 an Bedeutung ab.

Die Stärkung der Demokratie in der Türkei sowie die Tatsache, dass der Türkei bereits seit längerem ein möglicher Beitritt zur EU in Aussicht gestellt wird, sind die wesentlichen Argumente für eine EU-Mitgliedschaft (32 bzw. 31 Prozent). Historische und geografische Gründe sowie bessere Absatzmöglichkeiten (je 24 Prozent) wurden im geringeren Ausmaß genannt. (APA)

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