"Wahlfreudiges Publikum"

25. April 2004, 16:58
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Auch in den letzten Umfragen liegt Fischer vor Ferrero-Waldner

Auch in den letzten Umfragen vor der Präsidentenwahl führt SPÖ-Kandidat Heinz Fischer vor seiner ÖVP-Konkurrentin. Grünen-Chef Alexander Van der Bellen will zwar keine Wahlempfehlung abgeben, erneuert aber die Kritik an Benita Ferrero-Waldner.

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Wien/Linz – Auch wenn die Bekenntnisse zur Wahlbereitschaft mit Vorsicht zu genießen sind: Nach eigenem Bekunden haben 79 Prozent der Österreicher vor, Sonntag wählen zu gehen. "Es gibt ein wahlfreudiges Publikum. Und wie es jetzt ausschaut, hat Fischer das wahlfreudigere Publikum", sagt David Pfarrhofer vom Linzer market-Institut.

Auch in der letzten Umfragewelle vor der Wahl (Stichprobe 400 Personen in dieser Woche) führt Fischer in den Rohdaten: 34 Prozent bekennen sich zu ihm, 31 zu VP- Kandidatin Benita Ferrero- Waldner. In insgesamt fünf Umfragewellen der letzten Wochen hatte die Außenministerin nur einmal die Nase vorne – in der Karwoche.

Stadtbewohner tendieren zu Fischer

"Es gibt eine Menge an nicht deklarierten Wahlberechtigten, zumindest die Bekennerfreude ist bei den Fischer-Wählern höher." Pfarrhofer hat die Umfrageergebnisse der letzten Wochen zusammengefasst und auffallende Unterschiede in Absichten der 2168 Befragten festgestellt: Besonders im städtischen Bereich sackt das Bekenntnis zur ÖVP- Kandidatin ab. Fischer wird von der Landbevölkerung weniger, von Senioren deutlich mehr geschätzt.

Grüner "Respekt"

Der grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen will zwar keine direkte Wahlempfehlung für Fischer abgeben, lässt aber im Gespräch mit dem Standard klare Präferenzen erkennen: "Fischer hat sich deutlich distanziert von verschiedenen Äußerungen, die als Verharmlosung des Nationalsozialismus gedeutet werden könnten – vor allem, was die FPÖ und Jörg Haider namentlich betrifft. Die Frau Ferrero kann sich dazu nicht wirklich entschließen. Der Punkt ist nicht, dass das nicht ihr Gedankengut ist – das hat auch niemand behauptet. Sondern dass ein Bundespräsident klare Worte gegen jeden Versuch einer solchen Geschichtsauslegung findet. Und da hat sich Fischer deutlich abgegrenzt. Das sehen wir mit großem Respekt."

Das sei nicht der einzige, aber ein "wichtiger entscheidungsrelevanter" Grund für die Grünen: "Es ist kein Geheimnis, dass die Mehrheit der grünen Politiker und Politikerinnen eher zu Fischer tendiert als zu Ferrero-Waldner." Das liege vor allem an der "akuten Rolle" der beiden: "Wir sind mit Fischers Amtsführung als Nationalratspräsident im Großen und Ganzen zufrieden. Ferrero-Waldner hat als aktives Mitglied der Bundesregierung mitzuver ntworten, was in den Politikfeldern jenseits ihres Ressorts beschlossen wurde."

Bundespräsident Thomas Klestil appellierte, zur Wahl zu gehen. Wählen sei in einer Demokratie Pflicht, betonte Klestil, verriet aber nicht, wen er wählen wird. Seine Frau Margot will "dem besten Kandidaten" ihre Stimme geben.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) wünscht sich, dass "der/die Beste gewinnt". (Conrad Seidl/Samo Kobenter/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.4.2004)

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