Münzstempel aus der römischen Zeit in der Schweiz gefunden

29. April 2004, 12:34
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Kantonsarchäologie wertet Fund als echte Sensation

Windisch/Schweiz - Schweizer Archäologen haben bei Ausgrabungen in der ehemaligen Römerstadt Vindonissa einen sensationellen Fund gemacht. Sie entdeckten laut eigenen Angaben die weltweit ersten offiziellen Münzstempel, die auf eine Münzprägestätte hinweisen. Der Fund belege, dass im heutigen Windisch im Kanton Aargau Münzen für den Sold der Legionäre geprägt wurden.

Die Kantonsarchäologie Aargau führt wegen des Baus eines Mehrfamilienhauses in Windisch seit mehreren Monaten eine archäologische Ausgrabung durch, wie das Bildungsministerium des Kantons am Mittwoch mitteilte. Bereits im Februar wurden bei der Grabung überraschend hervorragend erhaltene Teile von römischen Holzbauten entdeckt. Auf einer Fläche von knapp zehn Quadratmetern konnte erstmalig in Vindonissa die römische Holzbautechnik an original erhaltenen Bauten untersucht werden.

Bevorzugtes Baumaterial

Als bevorzugtes Baumaterial verwendeten die römischen Baumeister die besonders gut haltbare Eiche, teilweise aber auch Tannenholz. Mit Hilfe der Jahresringdatierung wurde in einem spezialisierten Labor der Stadtarchäologie Zürich festgestellt, dass die Stämme für das Holzgebäude im Herbst/Winter des Jahres 23 und 24 nach Christus geschlagen wurden.

Aus der Schuttschicht der offenbar abgebrannten Holzbauten wurden auch zwei stabförmige Objekte geborgen, die wegen ihrer Bedeutung und Einzigartigkeit von der Kantonsarchäologie als echte Sensation bezeichnet werden. Bei der Entfernung der äußeren Rostschicht habe sich herausgestellt, dass es sich um schwere Eisenstempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen handelt. Solche Funde sind äußerst selten, weil der römische Staat, der monopolartig Münzen prägen ließ, sie normalerweise am Ende der Gebrauchszeit zerstörte.

Antike Imitationen

Aus der römischen Epoche sind nur 90 Stempel überliefert. Darunter befinden sich sehr wahrscheinlich zahlreiche antike Imitationen zum Prägen von Falschgeld. Die beiden Fundstücke aus Vindonissa seien weltweit die einzigen Münzstempel, bei denen sich auf Grund der Fundlage innerhalb eines Legionslagers auf eine offizielle Münzprägestätte schließen lasse. Vermutlich seien die Silber- und wohl auch Goldmünzen in dem teilweise ausgegrabenen Fachwerkgebäude hergestellt worden.

Der Fund wirft laut den Archäologen ein völlig neues Licht auf die monetäre Versorgung der Armee und der römischen Wirtschaft mit neu geprägtem Geld. Offenbar hätten die ersten römischen Kaiser nicht nur in Rom und Lyon, wo Standorte von Münzwerkstätten erwähnt sind, Geld hergestellt. Die Münzen seien offenbar gleich dort hergestellt worden, wo die weitaus größte Abnehmerschaft vorhanden gewesen sei, nämlich in der römischen Armee. (APA/AP)

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