Kantonsarchäologie wertet Fund als echte Sensation
Windisch/Schweiz - Schweizer Archäologen haben bei
Ausgrabungen in der ehemaligen Römerstadt Vindonissa einen
sensationellen Fund gemacht. Sie entdeckten laut eigenen Angaben die
weltweit ersten offiziellen Münzstempel, die auf eine Münzprägestätte
hinweisen. Der Fund belege, dass im heutigen Windisch im Kanton
Aargau Münzen für den Sold der Legionäre geprägt wurden.
Die Kantonsarchäologie Aargau führt wegen des Baus eines
Mehrfamilienhauses in Windisch seit mehreren Monaten eine
archäologische Ausgrabung durch, wie das Bildungsministerium des
Kantons am Mittwoch mitteilte. Bereits im Februar wurden bei der
Grabung überraschend hervorragend erhaltene Teile von römischen
Holzbauten entdeckt. Auf einer Fläche von knapp zehn Quadratmetern
konnte erstmalig in Vindonissa die römische Holzbautechnik an
original erhaltenen Bauten untersucht werden.
Bevorzugtes Baumaterial
Als bevorzugtes Baumaterial verwendeten die römischen Baumeister
die besonders gut haltbare Eiche, teilweise aber auch Tannenholz. Mit
Hilfe der Jahresringdatierung wurde in einem spezialisierten Labor
der Stadtarchäologie Zürich festgestellt, dass die Stämme für das
Holzgebäude im Herbst/Winter des Jahres 23 und 24 nach Christus
geschlagen wurden.
Aus der Schuttschicht der offenbar abgebrannten Holzbauten wurden
auch zwei stabförmige Objekte geborgen, die wegen ihrer Bedeutung und
Einzigartigkeit von der Kantonsarchäologie als echte Sensation
bezeichnet werden. Bei der Entfernung der äußeren Rostschicht habe
sich herausgestellt, dass es sich um schwere Eisenstempel zum Prägen
von Silber- und Goldmünzen handelt. Solche Funde sind äußerst selten,
weil der römische Staat, der monopolartig Münzen prägen ließ, sie
normalerweise am Ende der Gebrauchszeit zerstörte.
Antike Imitationen
Aus der römischen Epoche sind nur 90 Stempel überliefert. Darunter
befinden sich sehr wahrscheinlich zahlreiche antike Imitationen zum
Prägen von Falschgeld. Die beiden Fundstücke aus Vindonissa seien
weltweit die einzigen Münzstempel, bei denen sich auf Grund der
Fundlage innerhalb eines Legionslagers auf eine offizielle
Münzprägestätte schließen lasse. Vermutlich seien die Silber- und
wohl auch Goldmünzen in dem teilweise ausgegrabenen Fachwerkgebäude
hergestellt worden.
Der Fund wirft laut den Archäologen ein völlig neues Licht auf die
monetäre Versorgung der Armee und der römischen Wirtschaft mit neu
geprägtem Geld. Offenbar hätten die ersten römischen Kaiser nicht nur
in Rom und Lyon, wo Standorte von Münzwerkstätten erwähnt sind, Geld
hergestellt. Die Münzen seien offenbar gleich dort hergestellt
worden, wo die weitaus größte Abnehmerschaft vorhanden gewesen sei,
nämlich in der römischen Armee.
(APA/AP)