Arm und Reich in der EU

11. Februar 2005, 15:32
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BigMac-Index: Trotz EU-Erweiterung bleibt das Lohn- und Rentengefälle innerhalb Europas weiterhin beträchtlich

Prag - Ab dem 1. Mai hat die Europäische Union 25 Mitglieder - und der Lebensstandard der rund 450 Millionen Einwohner wird auseinanderklaffen wie nie zuvor.

Besonders deutlich wird dies mit dem von der britischen Wirtschaftszeitung "Economist" eingeführten "Big-Mac"-Index, einer Methode, mit der sich die Kaufkraft in verschiedenen Ländern gut vergleichen lässt: Während in Frankfurt oder Dublin ein Mensch einer Studie der Schweizer Bank UBS zufolge im Durchschnitt eine Viertelstunde arbeiten muss, um sich einen Big-Mac kaufen zu können, muss ein Bewohner der neuen Mitgliedsstaaten zwischen 40 und 60 Minuten arbeiten, um sich das berühmte belegte Brötchen leisten zu können.

Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in den zehn neuen EU-Ländern verdient im Schnitt weniger als 500 Euro im Monat. Aber auch innerhalb der Beitrittsländer gibt es gewaltige Unterschiede: So liegt das durchschnittliche Nettomonatsgehalt in Estland knapp über 300 Euro - und das ist nicht einmal schlecht im Vergleich zu den 225 Euro, die Slowaken im Schnitt verdienen.

Unter der Armutsgrenze

Das französische Statistikamt stuft ein Nettoeinkommen von 579 Euro als unterhalb der Armutsgrenze ein. Die meisten Ärzte und Professoren in den neuen Mitgliedstaaten verdienen weniger - in der tschechischen Haupstadt Prag bekommt ein Universitätsprofessor auch nach mehreren Berufsjahren umgerechnet gerade einmal 450 Euro netto. Besonders dramatisch sieht es bei den Renten aus: Knapp 100 Euro beträgt sie durchschnittlich in Litauen, 130 Euro in Ungarn.

Die Trennlinie zwischen reich und arm verläuft genau dort, wo früher der Eiserne Vorhang den Westen vom Ostblock trennte. Besonders drastisch ist das am Vergleich zwischen Wien und Preßburg zu sehen: Die österreichische und die slowakische Hauptstadt liegen gerade mal eine halbe Autostunde auseinander - doch in Wien verdienen die Menschen fünfeinhalbmal soviel wie ihre Kollegen ein paar Kilometer weiter östlich. Die Lebenshaltung ist in Wien aber nur doppelt so teuer wie in Bratislava.

Löhne geringer als in Lima, Bogotá und Mexiko-Stadt

Der UBS-Studie zufolge lagen die durchschnittlichen Gehälter in Preßburg vergangenes Jahr unter denen von Lima, Bogotá und Mexiko-Stadt. Und in den meisten Hauptstädten der Beitrittsländer verdienen die Menschen netto demnach weniger als in Shanghai und Kuala Lumpur.

Mit einem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von rund 444 Milliarden Euro kamen die die zehn neuen Staaten im Jahr 2002 laut Eurostat auf nur 4,8 Prozent des Gesamtwertes der gegenwärtigen EU. Malta und Slowenien, zwei neue Mitglieder ab dem 1. Mai, haben allerdings schon fast das gleiche Pro-Kopf-Einkommen wie Portugal und Griechenland, und Zypern ist sogar schon reicher. (APA/AFP)

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