Stuttgart: Weiterer Prozess gegen Ex-Terroristin Klump

23. April 2004, 19:11
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Wegen Anschlags auf jüdische Auswanderer in Budapest

Stuttgart - Wegen ihrer Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag in Ungarn muss sich seit Donnerstag die frühere Terroristin Andrea Klump vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten. Der 46 Jahre alten Klump wird unter anderem versuchter Mord in 33 Fällen vorgeworfen. Bei dem Anschlag auf einen Reisebus mit jüdischen Auswanderern waren 1991 in Budapest sechs Menschen verletzt worden. Früheren Angaben ihres Anwalts zufolge bestreitet sie eine Beteiligung an der Tat. Klump ist schon wegen eines versuchten Anschlags auf einen spanischen NATO-Stützpunkt zu neun Jahren verurteilt.

Anschlag auf jüdische Auswanderer

Laut Anklage der deutschen Bundesanwaltschaft war Klump zusammen mit dem 1999 erschossenen Horst Ludwig Meyer und mindestens einem weiteren, unbekannten Mittäter an dem Anschlag im Auftrag einer palästinensischen Terrororganisation beteiligt. Der Bus mit jüdischstämmigen Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion sowie zwei Begleitern war im Dezember 1991 auf dem Weg zum Flughafen, als eine ferngezündete Bombe explodierte.

Die Explosion sei von mindestens 25 Kilogramm Sprengstoff ausgelöst worden, die in einem am Fahrbahnrand abgestellten Auto deponiert gewesen seien, heißt es in der Anklage. Wegen eines Fehlers der Funkfernbedienung sei die Detonation aber einige Sekunden früher als geplant erfolgt. Ihre Hauptwirkung habe deshalb nicht den Bus, sondern ein vorausfahrendes Begleitfahrzeug der ungarischen Polizei getroffen.

RAF-Mitgliedschaft

Zwei Polizisten erlitten schwerste Verletzungen, vier Businsassen wurden leicht verletzt. Einige Tage später hatte sich eine Gruppe "Bewegung für die Befreiung von Jerusalem" zu dem Anschlag bekannt. Mittels einer DNA-Analyse war es den Ermittlern 2001 gelungen, Spurenmaterial aus einer Budapester Wohnung Klump zuzuordnen. Sie war als steckbrieflich gesuchtes RAF-Mitglied 1999 in Wien verhaftet worden. Ihr Begleiter Meyer wurde bei der Festnahme von der Polizei erschossen. Ein Urteil in dem neuen Verfahren wird im September 2004 erwartet.

Nach ihrer Auslieferung war Klump 2001 vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen eines misslungenen Sprengstoffanschlags auf einen US-Militärstützpunkt im spanischen Rota zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft wurde im Prozess fallen gelassen, zumal er für das Strafmaß unerheblich war. Klump hatte eine RAF-Mitgliedschaft damals bestritten. (APA/AFP/Reuters/dpa)

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