IBM-Studie: E-Health vor den Toren

29. April 2004, 13:51
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Von der Genomforschung bis zur lebenslangen Krankengeschichte - Rahmenbedingungen als erster Schritt notwendig

Der Computerkonzern IBM sieht die E-Health vor den Toren. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird er rund 250 Mio. US-Dollar zusätzlich in den Bereich von Healthcare und Life Sciences investieren. Die Anwendungen werden von der Genom- und Proteinforschung bis hin zur lebenslangen elektronischen Krankengeschichte reichen. Dies geht aus einer Studie hervor, die von Unternehmensvertretern am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien präsentiert wurde.

"Es wird einen immer höheren Bedarf an Gesundheitsversorgung geben"

"Es wird einen immer höheren Bedarf an Gesundheitsversorgung geben, ebenso steigende Erwartungen bezüglich der Qualität. Dazu kommt der finanzielle Aspekt. Laut dem neuen österreichischen Gesundheitsbericht hat es seit 1997 eine Kostensteigerung um 20 Prozent gegeben. Wir wissen, dass es einen gewissen Reorganisationsbedarf gibt", erklärte Eva Deutsch, Leiterin des Health-Bereichs von IBM-Life Sciences für Europa, den Mittleren Osten und Afrika.

Der Konzern will sich mit seinen Forschungsprojekten und Produktentwicklungen mit der gesamten Wertschöpfungskette in Sachen Gesundheit und Life Sciences beschäftigen:

  • Unterstützung der medizinischen Forschung durch EDV (z.B. Genom-Datenbanken wie jene von Islands Bevölkerung für deCode)

  • Biotech-, Pharma-Industrie und Medizintechnik

  • Integrierte EDV-basierte Prozessabwicklung in den Spitälern

  • Vernetzung der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen (Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Sozialdienste, Trägerorganisationen, Gesundheitspolitik)

  • Personalisierte Medizin durch Aufbau von jederzeit durch Berechtigte abrufbare Gesundheits- und schließlich auch Genomdaten aus lebenslang verfügbaren Krankheitsgeschichten

    Eva Deutsch: "Das Gesundheitssystem wird weniger symptomorientiert werden. Es wird in Richtung eines (auch auf Genanalysen beruhenden, Anm.) präventiven Systems gehen. Das Gesundheitswesen wird sich sukzessive zu einem vernetzten System entwickeln." Wissensmanagement werde aus zusammen geführten Daten Mehrwert schaffen.

    Pharmagenomik

    Ein spezieller Forschungsbereich ist die Pharmagenomik. Standardmäßg verschriebene Arzneimittel wirken nur bei 20 bis 60 Prozent der Patienten. Allein in den USA dürften pro Jahr rund 100.000 Patienten sterben, weil sie für ihre Erbanlagen ungeeignete Arzneimittel erhalten. Hier werden in Zukunft Gen-Analysen Hinweise auf das individuell passende Medikament geben.

    Freilich, die angedachte E-Health-"Wunderwelt" mit ihrem potenziellen Einsparungspotenzial für das Gesundheitssystem wird nur dann Realität werden, wenn die Politik die Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen in die Wege leitet. Hannes Schuster, Leiter des Bereichs Healthcare (Business Conslting Services) in Österreich: "Ich sehe viele Projekte in Österreich im Projektstadium hängen bleiben. (...) Der Träger (einer Einrichtung, Anm.) ode die Finanzierung sind die Grenze. Die Systeme gehen nicht über Bundesländer-Grenzen hinweg. Es empfiehlt sich eine bundesweite Harmonisierung der Telematik-Rahmenarchitektur." Als Konsortialführer arbeitet IBM im Rahmen des Projekts "Bit4Health" bereits an der General-EDV-Struktur für das deutsche Gesundheitswesen.

    Wie die zukünftige Entwicklung laut Eva Deutsch voraussichtlich ablaufen wird:

  • EDV-basierte Kernprozesse in den Spitälern

  • Vernetzung der Daten im Gesundheitswesen

  • Entwicklung der Genom-spezifischen individuellen Medizin.(APA)
  • Link

    IBM

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