Hart spielen und sitzend überleben

23. April 2004, 12:03
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"Schöne neue Arbeitswelt": Fünf Dokumentationen, ein Spielfilm und ein Gespräch ergeben einen dichten Themenblock

Wie sich zeitgenössische Arbeitsverhältnisse auf Individuen und Gesellschaft auswirken, beleuchtet in Linz das von der Dokumentarfilm-Initiative "Kinoreal" (Michael Loebenstein, Dominik Kamalzadeh und Dieter Pichler) konzipierte Special Arbeitswelten. Fünf Dokumentarfilme und ein Spielfilm aus den vergangenen zwei Jahren befassen sich mit Facetten von Neoliberalismus / New Economy. Die aufgeworfenen Fragen sind fernsehähnlich als kurzfristige Untersuchungen gedacht, der Ansatz ist zumeist reportagehaft. Im Vordergrund steht das Individuum mit seinen Lebensentwürfen, und doch wird immer auch von den Verhältnissen erzählt, in denen der Einzelne lebt.

Katrin Rothe begleitet in Dunkler Lippenstift macht seriöser zwei Akademikerinnen bei der Arbeitssuche, wobei die Vorstellungsgespräche von den Protagonistinnen nacherzählt und von Rothe als Zeichentrickszenen nachgestellt werden. Marc Bauder verfolgt in Grow or go – Die Architekten des Global Village vier Absolventen einer elitären Privatwirtschaftsuniversität bei ihren ersten Schritten ins Berufsleben. Sitzend überleben von Caroline Schmitz bewegt sich weg von den Menschen hin zur Innenarchitektur von Firmen: Arbeit wird hier vor allem durch den Raum als Lifestyle definiert.

Violence des échanges en milieu tempéré / Work Hard, Play Hard von Jean-Marc Moutout ist eine Parabel darüber, wie die äußeren Umstände den Menschen verändern: ein junger Unternehmensberater soll die Übernahme einer unrentablen Fabrik vorbereiten und evaluieren, welche Mitarbeiter zu kündigen sind. Karin Machers Gute Arbeit erzählt vom hohen Grad an Selbstverantwortung, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, der gerade jungen Frauen in Saisonniersjobs in der österreichischen Wirtschaft zu Niedriglöhnen abverlangt wird.

Wie sehr das Arbeitsumfeld Gastarbeiteridentität und -selbstverständnis geprägt hat, zeigt Andreas Pichlers Mirabella/Sindelfingen: Drei Generationen sizilianischer MigrantInnen leben und arbeiten mittlerweile in den Autowerken von Sindelfingen bei Stuttgart und pendeln doch Jahr für Jahr zurück in ihren Heimatort Mirabella.

Am Freitag, 7. Mai findet dazu um 15.00 Uhr in der Festivallounge im O.K Centrum/Mediendeck unter dem Titel Schöne neue Arbeitswelt eine begleitende Podiumsdiskussion zur medialen Darstellung von Arbeitsverhältnissen unter den Vorzeichen der New Economy statt. Es diskutieren Burkhardt Althoff, Redakteur der ZDF-Reihe First Job, der Kultursoziologe Fritz Betz, der Kulturwissenschafter Ramon Reichert (Wien) und eine Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer Oberösterreich. (Festival/red)

  • "Sitzend überleben"
    foto: crossing europe

    "Sitzend überleben"

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