Post verhandelt mit strategischen Partnern

29. April 2004, 19:41
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"Einbindung in internationales Netz Hauptthema 2004 - Neben Deutscher Post auch Holländer im Gespräch - Personalabbau geht weiter

Wien - Die Österreichische Post AG verhandelt mit möglichen strategischen Partnern über die "Einbindung in ein strategisches Netz". Dies sei ein "Hauptthema für 2004" und eine "logische" Folge der weiteren Unternehmensstrategie, erklärte Post-Generaldirektor Anton Wais am Donnerstag bei der Bilanzpressekonfernez in Wien. Die Verhandlungen seien "ständig im Laufen". Einen exakten Zeitplan nannte Wais nicht. Zuletzt hatte vor allem die Deutsche Post wiederholt Interesse an einer österreichischen Beteiligung angemeldet. Laut Wais würde aber ebenso die holländische Post die Kriterien für eine sinnvolle Partnerschaft erfüllen.

Laut Auftrag der Regierung soll die Staatsholding ÖIAG als ersten Schritt der Privatisierung zumindest noch in dieser Legislaturperiode einen strategischen Partner für die österreichische Post suchen. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der ÖIAG dürfte der teilweise Postverkauf ein Thema sein.

"Absicherung von Vorteilen"

Kriterien sind laut Wais die "Absicherung von Vorteilen" für die österreichische Post", der Zugang zu neuem technischen Know-How, das mit dem der heimischen Post kompatibel sei ("Wir wollen das Rad nicht neu erfinden"), die Erschließung von neuen internationalen Märkten, der Ausbau der Qualität und die Erhöhung der Auslastung der eigenen Netze. "Ich bin gerade dabei, die Partnerschaften nach diesen Kriterien für alle fünf Segmente (Brief, Paket, Filialnetz, Werbung und Medienpost, Anm.) zu beurteilen", sagte Wais.

Der Post-Chef hat am Donnerstag außerdem Pläne für einen weiteren Personalabbau bekräftigt. Die Unternehmensführung sei gerade dabei, die Auswirkung auf den Liberalisierungsschritte 2006 zu analysieren - die weitere Liberalisierung des Postmarktes für alle Sendungen über 50 Gramm und Öffnung des Zugangs zu den Hausbrieffächern. Bis zum dritten Quartal soll eine neue Mittelfristplanung vorliegen. Dies könne "noch wesentliche Veränderungen für das Unternehmen bringen". In einigen "Bereichen, wo der Wettbewerb kommt", sei die Österreichische Post "noch total Weg vom Fenster", sagt Wais.

Arbeitskräfte abgebaut

Im Vorjahr hat die Post rund 2.000 Vollzeitarbeitskräfte abgebaut - gegenüber 1999 waren es zu Jahresbeginn 2004 mit rund 27.000 Mitarbeitern sogar 6.000 Vollzeitarbeitskräfte weniger. Für Golden Handshakes und andere Sozialpläne hat das Unternehmen 2003 allein 36 Mio. Euro ausgegeben. Die 1999 geplante Reduktion habe man damit umgesetzt. Die Personalaufwendungen seien 2003 aber immer noch bei 62 Prozent gelegen - angepeilt gewesen seien ursprünglich 60 Prozent, so Wais. Als Ziel bis 2006 hatte der Post-Chef zuletzt eine weitere Reduktion des Personalstands auf 23.000 Vollzeitarbeitskräfte genannt.

Den bisher geplanten organisatorischen Umbau des Unternehmens wird die Post AG heuer weitgehend abschließen. Mit dem Briefzentrum Villach wird heuer das letzte von künftig insgesamt sechs neuen zentralen Verteilzentren eröffnet werden. Auch die Konzentration der Zustellbasen von ursprünglich 1.880 auf 450 Postämter soll bis August abgeschlossen werden. Die Post erhofft sich dadurch eine weitere Beschleunigung der Briefzustellung. War Ende 2002 noch jeder Brief länger als 24 Stunden unterwegs gewesen, seien im ersten Quartal dieses Jahres bereits 91,4 Prozent aller Sendungen einen Tag nach Aufgabe zugestellt worden. Die vom Verkehrsministerium vorgegebene Quote von 95 Prozent bis Ende 2004 seien damit bereits weitgehend erfüllt, so der scheidende Post-Logistikchef Jörn Kaniak.

Ergebnis deutlich verbessert

Bereits im vergangenen Jahr hat die Post, wie berichtet, ihr Ergebnis deutlich verbessert. Vor allem dank einer Portoerhöhung zur Jahresmitte und dank größeren Immobilienverkäufen hat sich das Betriebsergebnis (Ebit) auf 46,6 Mio. Euro mehr als vervierfacht, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) hat sich von 18,7 auf 52,7 Mio. Euro erhöht. Den Umsatz hat die Post AG im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf 1,53 Mrd. Euro gesteigert, auch im Brief-Bereich sind die Erlöse dank der Porto-Erhöhung gestiegen.

Das beförderte Briefvolumen war aber nach wie vor rückläufig, im Paket-Bereich hat die Post nicht zuletzt dank des neuen Booms im Internet-Versandhandel (z.B. Amazon) bei den Stückzahlen zugelegt. Im Verkauf an den Postämtern ist der Umsatz vor allem dank neuer Produkte gestiegen. Bei CDs und DVDs ist die Post bereits der viertgrößte Händler in Österreich. Auch bei der Zeitungszustellung hat die Post große Kunden zurückgewinnen können. Nur bei den Werbesendungen war der Umsatz wegen der schwachen Konjunktur und der neuen Werbeabgabe rückläufig.

Unterm Strich betrug der Bilanzgewinn der Österreichischen Post AG im Vorjahr 40 Mio. Euro, 36 Mio. Euro davon gehen als Dividende an die Staatsholding ÖIAG. (APA)

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Personalabbau bekräftigt
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    Der Post-Chef hat am Donnerstag Pläne für einen weiteren Personalabbau bekräftigt

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