DaimlerChrysler und Hyundai überprüfen Allianz

23. April 2004, 11:23
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Seit Monaten Gespräche - Allianz steuert auf einen "kritischen Zeitpunkt" zu

Frankfurt - Der deutsch-amerikanische Automobilkonzern DaimlerChrysler und sein südkoreanischer Partner Hyundai Motor verhandeln nach einem Zeitungsbericht über die Zukunft ihrer Zusammenarbeit. Die "Financial Times" zitierte am Donnerstag aus mit den Gesprächen vertraute Kreisen, Hyundai habe den Eindruck, als einer der am schnellsten wachsenden Automobilkonzerne der Welt DaimlerChrysler nicht mehr zu benötigen.

Die Allianz steuere auf einen "kritischen Zeitpunkt" zu und es könne bald eine "bedeutsame Erklärung" geben. Ein Hyundai-Sprecher sagte, die beiden Unternehmen führten über eine Reihe von Themen Gespräche, machte jedoch keine näheren Angaben. In Stuttgart sagte ein DaimlerChrysler-Sprecher, die Unternehmen seien weiter in Verhandlungen.

Gespräche auf ranghoher Ebene

Der Zeitung zufolge beraten die beiden Unternehmen bereits seit Monaten auf ranghoher Ebene Gespräche über die Zukunft ihrer Partnerschaft. Die Koreaner hätten im vergangenen Jahr Investmentbanker beauftragt, die Möglichkeiten Hyundais auszuloten. Hierzu gehöre auch die Frage, ob eine Trennung von DaimlerChrysler besser für den Konzern wäre. DaimlerChrysler ist mit zehn Prozent an Hyundai beteiligt und hat die Option, seinen Anteil auf 15 Prozent zu erhöhen.

Vergangene Woche hatte zudem die Wirtschaftswoche berichtet, der geplante Einstieg von DaimlerChrysler in das Lkw-Geschäft von Hyundai komme wohl nicht zu Stande. Die Entscheidung über den endgültigen Abbruch der Gespräche solle bis Ende April fallen. Die bereits fest vereinbarte gemeinsame Produktion von Lkw-Motoren ab 2006 werde nicht mehr realisiert.

Vollzug mehrfach verzögert

Der Einstieg war im September 2002 vereinbart worden, doch hatte sich der Vollzug mehrfach erheblich verzögert. Vor kurzem war DaimlerChrysler-Nutzfahrzeugchef Eckhard Cordes in einem Gespräch mit Reuters erstmals auf Distanz zu Hyundai gegangen. Strategisch sei die Beteiligung an Hyundai nach der Übernahme der Mehrheit an der Mitsubishi-Tochter Fuso für DaimlerChrysler nicht mehr zwingend nötig, hatte er Anfang März gesagt. Das Interesse an dem 50-Prozent-Anteil, der 400 Mio. Euro kosten sollte, sei aber weiterhin vorhanden.

DaimlerChrysler hatte sich von dem Einstieg neben einem Zugang zum südkoreanischen Markt eine kostengünstige Produktionsbasis erhofft. Zuletzt hatte es atmosphärische Störungen zwischen DaimlerChrysler und Hyundai um den Produktionspartner in China gegeben, wo Hyundai auf ein Exklusivrecht gepocht und DaimlerChrysler zum Rückzug aufgefordert hatte. (APA/Reuters)

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