Hosenklammer

29. April 2004, 17:51
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++PRO&CONTRA-- Die Kluppe - mindestens so schrecklich wie als Sechsjähriger noch mit Stützrädern zu fahren. Etwas für Loser

--PRO
von Roman David-Freihsl

Da es sich hier um eine echte Nebensächlichkeit handelt, kann man sie nur in Klammern abhandeln: (Natürlich sagen viele zu diesem Teil: "Boch'n". Beziehungsweise auf ur-wienerisch: "Ur boch'n, heast." Nicht wenige verwenden das Utensil gar als Schimpfwort: "Du Hosenklammerradler." Ähnlich wie "Warmduscher" oder "Rolltreppenfurzer" oder "Pille-mit-Wasser-Schluckerin".

Tatsache ist und bleibt es allerdings, dass das Radeln mit unten weiten Hosen ein Problem ist. So ein Hosenbein in der Kette ist dann auch ziemlich uncool. Und was in diesem Zusammenhang wirklich aber so was von boch'n ist, das sind die "Hose-in-die-Socken-Stopfer". Wenn etwas so richtig lulumäßig aussieht, dann diese Hose in der Socke.

Eine weitere Möglichkeit wäre das Aufkrempeln der Hose. Aber bei wirklich weiten Hosen krempelt man ziemlich lang. Überdies ist diese Technik ein zwangsläufiges Präsentieren der Socke und des unteren Wadenteils samt Behaarung. Nicht rasend kleidsam, diese Perspektive.

Die Hosenklammer hingegen, die hat schon etwas. Vor allen Dingen kommt es allerdings ganz darauf an, in welcher Weise sie zum Einsatz kommt. So wissen wir beispielsweise vom ehemaligen Kulturstadtrat und nunmehrigen Mozartjahr-Intendanten Peter Marboe, dass er nicht nur erstens radelt, sondern zweitens auch klammert. Als Augenzeugen können wir bekunden: So, wie Marboe samt Klammer durch die Straßen strampelt, das hat Hochkultur; man wäre fast versucht, in diesem Falle von Grandezza zu schreiben.
Klammer zu).

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--CONTRA
von Karl Fluch

Eitelkeit ist, wie man weiß, blöd, und vor Blödheit ist man(n) weiß Gott nicht gefeit. Darum verweigerte ich mich schon als Kind der von Mutter angeregten Kluppe, die meine, in den 70ern unten meist weit ausgestellten Hosenbeine vor der Gefräßigkeit der Fahrradkette schützen sollte. Die Kluppe galt als mindestens so schrecklich, wie als Sechsjähriger noch mit Stützrädern fahren zu müssen. Etwas für Loser. Lieber zwei-, dreimal pro Tag ordentlich in den Gehsteigrand beißen, als würdelos mit Muttis Kluppensammlung wie mit einem Dackel am Wadel zur Volksschule radeln.

Imponiergehabe nennt das der Verhaltenspsychologe wohl, aber der erste Kuss - eigentlich ein Wangenschmatz - von der Gabi am Heimweg egalisierte sämtliche so herbeigeführte Schmerzen eines angehenden wilden Hundes. Als später in den 80ern der Spruch "Willst du schön sein, musst du leiden" von den deutschen Elektro-Punks DAF wieder propagiert wurde, konnte ich dem lebenserfahren zustimmen.

Hosenklammern, wie es sie heute gibt, sind da keinen Deut besser. Meist von Anzugträgern verwendet, die mit Aschenbechern vor den Linsen wie betrunken die Radwege unsicher machen und auch sonst so ziemlich alles tragen, was bei Rollerblader-Anfängern zur Grundausstattung gehört, fungieren sie als Dodelausweis.

Kluppen und Klammern verwendeten wir im Zusammenhang mit Rädern nur in Verbindung mit einzelnen Quartettspielkarten. Die befestigten wir beim Hinterrad, auf dass sie an den Speichen motorähnliche Geräusche von sich gaben: Pfffrrrttt!!!! Mann, waren wir wild!
(DerStandard/rondo/23/04/2004)

  • Artikelbild
    foto: matthias cremer
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