Sofie", ein Schandfleck und keine Gespräche

29. April 2004, 15:32
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Im frostigen Klima zwischen der Sofiensäle AG und der Stadt ist eine Lösung rund um die Brandruine in weiter Ferne

Nicht nur der Regen schadet den Sofiensälen. Im frostigen Klima zwischen der Sofiensäle AG und der Stadt ist eine Lösung rund um die Brandruine in weiter Ferne. Derweil steht die "Sofie" als Schandfleck im dritten Bezirk.

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Wien - Fragt man herum, wie es mit der Brandruine der Sofiensäle als einem von zwei Schandflecken im Bezirk weitergehen soll, erntet man häufig als Reaktion nur ein Achselzucken. Ebenso wie der Umbau des Bahnhofs Wien-Mitte scheint die "Sofie" zum ewig diskutierten und in nächster Zeit kaum lösbaren Problem zu werden.

"Da kann man gar nichts machen." Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (SP) meint, dass in der Causa niemand mit niemandem mehr redet. Gab es Monate nach dem Brand der Sofiensäle (am 16. August 2001) noch Gespräche, wie es mit dem ehemaligen Tanzsaal in der Marxergasse weitergehen könnte, herrscht seit längerem Funkstille. Die Eigentümer, die Sofiensäle AG des früheren Bauherrn Julius Eberhardt, ist sauer auf das Bundesdenkmalamt, weil es die "Sofie" nach dem Brand unter Schutz gestellt hat. So wurde der Abriss unmöglich. Die Stadt wiederum macht kein Geld für ein privates Gebäude locker. Dem steht das Interesse von Architektur-und Musikfans gegenüber, die die Sofiensäle zum Beispiel als Strauss-Zentrum wiedererrichtet sehen wollen.

Denkmalschutz

Bezirkschef Hohenberger signalisiert Verständnis für die Eigentümer, die den Denkmalschutz loswerden wollen. "Ich bin nicht überzeugt, dass man ihn aufrechterhalten sollte." Er denke ja nur laut nach, "aber wenn jeder ein bisserl nachgeben würde . . . wer übernimmt schon eine geschützte Ruine?" Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Gefahr besteht, dass die Ruine so lange im Regen stehen gelassen wird, bis sie einstürzt.

Georg Schüller, stellvertretender Bezirkschef der VP, ist der Meinung, die Stadt solle Auslastungszusagen für einen wiedererrichteten Tanzsaal geben. Die Festwochen sollten sich mit ihren Veranstaltungen dort einmieten. Das wäre ein Anreiz für Investoren, sich finanziell zu engagieren. Sein Eindruck ist, dass es allen Beteiligten am Willen fehlt, die Sofiensäle zu retten.

Nicht zuletzt seit am Dienstag ein Urteil des Verwaltungsgerichtshof bekannt wurde, dass die "Sofie" vorerst nicht mit einem Schutzbau umhüllt werden muss, ist die Ratlosigkeit noch größer. Mit der Anrufung des Verwaltungsgerichts hat sich die Sofiensäle AG gegen die Verordnung von Zwangsmaßnahmen durch die Baubehörde gewehrt. Man werde "mit Sicherheit" keine solchen Maßnahmen umsetzen, sagt Sprecher Karl Pistotnik. Im Büro von Stadtrat Werner Faymann (SP) bedauert man, dass das 1838 ursprünglich als Schwimmbad errichtete Gebäude auch in den kommenden Monaten ungeschützt bleibt. Im Bildungsministerium, für Denkmalschutz zuständig, sieht man vorerst keine Gefahr für den Zustand des früheren Tanzsaales. (Andrea Waldbrunner,DER STANDARD Printausgabe 22.4.2004)

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    Die Eigentümer, die Sofiensäle AG, ist sauer auf das Bundesdenkmalamt, weil es die "Sofie" nach dem Brand unter Schutz gestellt hat. So wurde er Abriss unmöglich

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