Iran: Teheraner Stadtrat will Plakette für Opfer deutscher Chemiewaffen anbringen

22. April 2004, 20:31
8 Postings

Protest gegen Gedenktafel für die Opfer des Mykonos-Attentats in Berlin 1992

Teheran - Einen Tag nach der Enthüllung der Gedenktafel für die Opfer des Mykonos-Attentats von 1992 hat die iranische Regierung den deutschen Botschafter in Teheran einbestellt. Der iranische Außenminister Ali Ahani habe bei Botschafter Paul von Maltzahn schärfsten Protest gegen das Denkmal eingelegt, meldete die studentische Nachrichtenagentur Isna am Mittwoch. Der Stadtrat von Teheran habe zudem beschlossen, vor der deutschen Botschaft eine Gedenktafel "für die Opfer von Chemiewaffen" anbringen zu lassen, meldete die Agentur unter Berufung auf ein Ratsmitglied. Deutschland werde "von unserem Volk verabscheut", weil es während des Iran-Irak-Kriegs (1980-1988) Chemiewaffen an das Nachbarland geliefert habe, sagte dieser.

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf war am Dienstag eine 50 mal 70 Zentimeter große Gedenktafel für die Opfer des Mykonos-Attentats eingeweiht worden. Die Inschrift enthält neben den Namen der Opfer den Zusatz: "Ermordet durch die damaligen Machthaber im Iran. Sie starben im Kampf für Freiheit und Menschenrechte." Im September 1992 waren im Berliner Restaurant "Mykonos" vier iranische Oppositionelle ermordet woren. Das Berliner Kammergericht wies in seinem Urteil vom April 1997 der Teheraner Regierung die Verantwortung für das Attentat zu und bezichtigte sie des Staatsterrorismus gegen Dissidenten. (APA)

Share if you care.