Mannesmann-Prozess - Staatsanwaltschaft bleibt hart

22. April 2004, 12:41
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Befragung neuer Zeugen gefordert

Mit neuen Beweisanträgen stemmt sich die Staatsanwaltschaft im Mannesmann-Prozess einer sich abzeichnenden Niederlage entgegen. Staatsanwalt Johannes Puls forderte am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht die Befragung neuer Zeugen und die Verlesung etwa von Vernehmungsprotokollen des angeklagten Ex-Mannesmann-Chefs Klaus Esser.

Dieser habe sich in seinen Vernehmungen in wesentlichen Punkten anders geäußert, als er dies während der Hauptverhandlung getan habe, sagte Puls. "Die Verlesung wird belegen, dass Esser sich unzutreffend geäußert hat."

Auch die Annahme des Gerichts, der ebenfalls angeklagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe bei der Genehmigung der Prämie an den Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk nicht schuldhaft gehandelt, wolle er widerlegen, ergänzte der Staatsanwalt. Puls hatte Ackermann bereits vor zwei Wochen bewusste Verstöße gegen das Aktienrecht vorgeworfen.

Im Mannesmann-Prozess geht es um Millionen-Prämien, die im Zuge der Übernahme des deutschen Traditionskonzerns durch den britischen Telekommunikationskonzern Vodafone vor vier Jahren an ehemalige Mannesmann-Manager geflossen sind. Die Staatsanwaltschaft hält die Präimien für überhöht und wirft den sechs Angeklagten - darunter Ackermann und Esser - schwere Untreue oder Beihilfe dazu vor.

Richterin Brigitte Koppenhöfer hatte allerdings Ende März angedeutet, dass sich die Angeklagten nicht der Untreue schuldig gemacht hätten. Verstöße habe es allenfalls gegen das Aktienrecht gegeben. Diese sind aber nach Gerichtsangaben nicht im laufenden Strafprozess, sondern in einem möglichen Zivilverfahren zu klären.

Ackermann hatte als Mitglied des Aufsichtsrates die Zahlungen an Mannesmann-Manager gebilligt, selbst aber keine Zuwendungen erhalten. (APA)

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