Blasmusik und Bahnhöfe: Fischer fährt Zug

23. April 2004, 18:12
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Der SPÖ-Kandidat tourt im Sonderwaggon durch Österreich und schüttelt Hände

Wien - Die Eisenbahner-Kapelle ist Mittwoch früh am Südbahnhof angerückt, spielt staatstragend die Bundeshymne, Wiens Bürgermeister Michael Häupl winkt Abschied.

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Blasmusik, Bahnhöfe und Bürgermeister - das sind bis Freitag Fixpunkte im Leben von Heinz Fischer. Der SPÖ-Präsidentschaftskandidat tourt per Zug drei Tage und 1667 Kilometer durch Österreich, wird an jeder Station wieder empfangen. Selbst wenn sie noch so kurz ist: "Neustadt, eine Minute Aufenthalt" - zum auf den Bahnsteig springen und winken reicht's. Zwischendurch tänzelt Fischer aufgekratzt im Zug, scherzt mit SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, inspiziert neugierig die Liegeabteile - oder lässt sich von Herrn Robert verwöhnen. Der legendäre Kellner des Café Landtmann hat für Fischer seine Pension unterbrochen und gibt den Zugkellner.

Fischer gibt dafür - die Hand. Immer wieder marschiert er mit Ehefrau Margit im Schlepptau durch den Zug und schüttelt jedem, der nicht schläft, die Hand: "Darf ich Guten Tag sagen." Meistens darf er, beim Kreuzworträtsel eines Fahrgasts kann er helfen - und alle bekommen ein Polaroid mit sich und Fischer.

Bis Bruck an der Mur. Die Fischer-Wagons werden abgehängt, der Wahlkampftross macht Station. Auf sicherem Terrain: Bruck ist rot, 56,18 Prozent hat die SP dort bei der Nationalratswahl erreicht. "Obersteiermark wählt Fischer", verspricht Bürgermeister Bernd Rosenberger - und schenkt Genossen Heinz seinen Glücksbringer, ein Hufeisen. Natürlich fehlt die Blasmusik nicht, spielt, nicht ganz passend, "Salut à Luxemburg." Fischer wippt mit, verspricht, das Hufeisen zum Wählen mitzunehmen - "dann geht nichts schief". Zumindest in Bruck nicht. Fischer tourt in den Voest-Ableger, der in Bruck Drähte herstellt. Bei den AK-Wahlen kam die SP hier auf 80 Prozent.

Pensionisten-"Gefahr" Wenig Wunder, dass Fischer nur freundliche Gesichter sieht. "Klar wähl ich ihn. Die ÖVP braucht nicht das ganze Land dominieren", versichert Arbeiter Manfred Ochabauer. Er sorgt sich aber: "Die Pensionisten, das ist das Gefährlichste, was wir haben. Die wählen die Ferrero."

Solche Sorgen zeigt Fischer nicht, fröhlich händeschüttelt er sich durch die Fabrik. Und schafft es, bei einem Hackler Mitgefühl auszulösen: Der steht plötzlich neben Fischer - und im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Und kann nur verdattert Fischer Beileid aussprechen: "Jetzt weiß ich, wie's Ihnen immer geht."

Fischer hat mit Fotografen mehr Gelassenheit. Auch wenn er für sie im Kindergarten tanzt und vom Ameisenbären vorliest - Kinder können nicht wählen, aber Wahlkampffotos mit Kindern machen sich immer gut.

Auf Wähler trifft Fischer auf Tour ohnehin ständig, etwa in der Konditorei. Dort gefällt das Händeschütteln nicht allen: "Besser wäre, wenn er sich am Hauptplatz hinstellt", mosert eine Frau. Sie ist unentschieden: "Man könnte eine Frau wählen. Aber mein Mann sagt, ein Mann stellt mehr dar." Bis Sonntag hat sie ja Zeit.

Fischers Zeit in Bruck ist um, seine Wagons werden an den Zug nach Kärnten angehängt. Bahnfan Josef Broukal freut sich auf den Nebeneffekt seiner Wahlkampfhilfe: "Ich darf ein bisserl in der Lok mitfahren." Nur Gusenbauer bringt den Fahrplan fast durcheinander, lässt die Truppe warten und Bürgermeister Rosenberger murren: "Dem Fredi müssen wir noch lernen, dass er beim Tross bleibt." (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2004)

  • Zug fährt ab, Fotografen drücken ab: Mittwochfrüh bestieg Heinz Fischer einen seiner Sonderwagons und startete ins Wahlkampffinale, das ihn per Zug durch Österreich führt.
    foto: standard/cremer

    Zug fährt ab, Fotografen drücken ab: Mittwochfrüh bestieg Heinz Fischer einen seiner Sonderwagons und startete ins Wahlkampffinale, das ihn per Zug durch Österreich führt.

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