Teile des Postbusses vor Fahrt ins "Blaue"

29. April 2004, 19:41
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Teilprivatisierung soll noch im Mai starten

Wien - Der Teilverkauf des staatlichen Bahnpostbusses kommt endlich in Fahrt. Zwar nicht auf die österreichische Tour - die Regierung wollte ein Drittel des staatlichen Linienbusriesen bekanntlich an private österreichische Busfirmen verkaufen - aber immerhin. Dies, weil das angestrebte Notifizierungsverfahren - dabei vereinbaren Verkäufer und Käufer einen Deal und melden diesen der EU - in Brüssel abgelehnt wurde.

Ausgeschrieben werden die Linien, Werkstätten und Autobusse dennoch nicht, sagte Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann am Mittwoch. Vielmehr werden für jedes regionale Teilpaket - dem Vernehmen nach sind es 40 - zwei Gutachten erstellt und dann an den bestbietenden Interessenten verkauft.

Ausgang völlig offen

Dass diese individuell auf Blaguss, Dr. Richard und SAB-Tours zugeschnittene "Auftragsgutachten" wären, schließt Goldmann kategorisch aus. Es sei völlig offen, ob aus- oder inländische Käufer zum Zug kommen. Rund acht Prozent des zu verkaufenden Postbus-Drittels wird "abvermietet". Dabei behält der Bahnpostbus die Linienkonzession und lässt die Konkurrenz fahren.

Der Haken daran: Da die beamteten Postbus-Lenker und Verwaltungsmitarbeiter weder verkauft noch verleast werden können, bleibt der Postbus nach Teilprivatisierung auf mindestens 400 Mitarbeitern "sitzen". Laut ÖBB-Insidern sind es noch mehr, nämlich fast 500 Lenker und 120 Verwaltungsbedienstete.

EU-Konformität fraglich

Offen ist auch, ob dieses komplizierte Verfahren eine EU-Ausschreibung tatsächlich ersetzen kann. Denn es müssten zumindest alle erdenklichen Interessenten über den Verkauf informiert werden. Geht nicht alles glatt über die Bühne, bekommt übrigens nicht der Bahnpostbus-Vorstand das "Bummerl", sondern ÖBB und Republik Österreich, denn er ist haftungsfrei gestellt.

Neben der Integration von 1682 ÖBBlern in den neuen Bahnpostbus ist die Postbus-Chefin derzeit noch mit dem tschechischen Busunternehmen CSAD Autobusy Ceské Budejovice beschäftigt.

CSAD Budweis wurde um knapp zehn Mio. Euro gekauft, erwirtschaftete 2003 mit 293 Mitarbeitern einen Umsatz von zehn Mio. Euro und ein operatives Ergebnis (Ebit) von 1,3 Mio. Euro. (DER STANDARD Printausgabe, 22.04.2004 ung)

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