"Ist trotzdem nur schwer zu glauben"

25. April 2004, 14:49
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Luis Figo über die Korruptionsaffäre in der portugiesischen Liga

Lissabon - Portugals Fußball-Galionsfigur Luis Figo vom spanischen Rekordmeister Real Madrid sieht trotz des Korruptionsskandals in seiner Heimat keine negativen Folgen für die Euro 2004 (12. Juni bis 4. Juli). "Die Europameisterschaft hat nichts damit zu tun. Es wird nur Konsequenzen für die Leute haben, die in den Bestechungsskandal verwickelt sind", sagte der Real-Star der Tageszeitung Correiro da Manha.

Figo war allerdings erschüttert über die Tragweite der Affäre. "Es ist schwer für mich zu glauben, dass über Sieg oder Niederlage in Büros entschieden wurde. Natürlich können Spiele von außen beeinflusst werden, aber es ist trotzdem nur schwer zu glauben." Die Polizei hatte am Dienstag insgesamt 16 Personen, darunter neun Schiedsrichter, in Gewahrsam genommen. Dazu gehören auch Ligapräsident Valentim Loureiro und der Leiter der Schiedsrichterkommission, Antonio Pinto de Sousa. Den Unparteiischen wird vorgeworfen, mit Fehlentscheidungen den Ausgang von Meisterschaftsspielen beeinflusst zu haben.

Operation "Goldenes Flüstern"

Ein Jahr lang hatte die Polizei ermittelt, ehe sie im Rahmen der Operation "Goldenes Flüstern" zuschlug. Insgesamt 150 Personen wurden in die Untersuchung einbezogen, zehn portugiesische Klubs waren in den Verdacht der Korruption und Geldwäsche geraten. 20 Beamte durchsuchten das Ligabüro des Verbandes in Lissabon, außerdem sollen die Sicherheitskräfte auch beim Erstligisten Sporting Braga aufgetaucht sein.

Fünf Erstligavereine sollen betroffen sein, darunter auch Rekordmeister Benfica Lissabon. Die Polizei teilte mit, dass deutliche Hinweise auf Korruption, groß angelegte Steuerhinterziehungen und Urkundenfälschung in der portugiesischen Liga "offensichtlich geworden sind". Die Klubs sollen ihre Spieler "schwarz" bezahlt haben, um Steuer und Sozialversicherung zu umgehen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. April 2004, ag, fri)

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