Bewegende Bilder

31. Mai 2005, 12:49
posten

Mit "Buena Vista" in aller Ohren, mit Fluchtszenen in aller Munde: Kuba lebt nach eigenem Drehbuch.

Varadero ist natürlich auch eine Möglichkeit. Die in den Atlantik ragende künstliche Landzunge im Norden Kubas ist Synonym für Strand, High Life und - kaum Kubaner. Sollte sich doch einer als Gast in diese Karibikkulisse verirren, wird er hochkant aus dem Gebiet der so noblen Bettenburgen geschmissen.

Kubanische Szenerie spielt sich etwa an der Carretera Central ab, der für militärische Zwecke - und daher ohne Schlagloch - quer durchs Land führenden sechsspurigen Autobahn. Nach Pinar del Rio macht die Autopista ihrem Namen allerhand Ehre. Die Chevis rollen in ihrem eigenen Höllentempo von bis zu 80 km/h dahin, dicht gefolgt von Lastwägen, deren flexibler Personentransport an strategischen Punkten von Amarillos, den leuchtend gelb gedressten, staatlichen Fahrtwächtern, organisiert wird. Man fährt mit dem, was nur irgendwie fährt. Ausgediente Kugellager sind die Räder eines Tretrollers, auch die Fahrräder mehr Provisorien als Untersätze. Aber bestgeeignet für den Transport von Lebensmitteln wie etwa einem Schwein. Am Gepäckträger. Lebend.

Das Land ringsum bringt einiges hervor, Baumwolle und Mais aber haben es nicht gar so zur Berühmtheit gebracht wie der beste Tabak der Welt. Was in den Gebirgszügen der Sierra de los Órganos und Sierra del Rosario aber noch immer ein Geheimnis ist, wuchs um einiges länger und liegt im Tal. Die Mogotes, die kegelförmigen Kalksteinkegel, ragen steil auf und blieben zurück, während der weiche Boden drumherum versank. Und damit einen fast beunruhigend bewegenden Anblick frei gab auf das Tal von Vinales. Die Regenzeit erledigt dann alles weitere an Dramatik, wenn der rasche Wolkenzug die Lichtstrahlen nur noch so fluten lässt.

Hat man sich losgerissen und sich wieder eingelassen auf die Autopista-Verhältnisse, empfindet man Soroa als ein beruhigendes Zwischenhoch droben in den Bergen. Oft übersehen, ist es mehr Straßenkreuzung als Dorf. Der Staat gibt sich Mühe damit, der Ort darf sich laut UNESCO "Naturreservat der Biosphären" nennen. Greifbarer sind die hiesigen Bodenschätze, zusammengefasst als Botanischer Garten. Was nach Schulausflug klingt, bedeutet mehr als 700 verschiedene Orchideenarten und ein Kubaner, der apathisch und ausschließlich spanisch erklärt. Egal, die weiteren 20.000 Pflanzenarten wären auch in der eigenen Sprache nicht zu merken gewesen.

Im Gedächtnis hält sich die Natur halt doch am besten durch direkten Kontakt. Im Fall von Guamá in Zentralkuba denkt man zwar nicht gleich an Autan, empfehlenswert ist es hier dennoch. An einer kleinen Straße Richtung Schweinebucht, wo 1961 eine von den USA unterstütze Invasion von Exilkubanern zurückgeschlagen wurde, ist bei La Boca die Ablegestelle für die Fahrt in die Schatzlagune, wo die Tagestouristen abends den Hotelgästen das Ruder übergeben. Per Motorboot sind es knapp fünfzehn Minuten und fünf Sturmfrisuren pro Boot, um zur Rezeption zu gelangen. Palmbedeckte Holzhütten auf zehn künstlichen Inseln sind zum Hotelreservat vereint, die Verbindung zum Nachbarn und zum Restaurant ist nur auf schmalen Holzstegen wackelnd möglich.

Ein Indianerhäuptling der Taíno soll zum Schutz vor dem Übergriff der Spanier den Stammesschatz im See versenkt haben; Castros Lebensgefährtin Celia Sanchez hat das Dorf 1962 rekonstruieren lassen. Und damit einen jener Orte in Szene gesetzt, die häufig auch von Kubanern aufgesucht werden. (Der Standard, Printausgabe)

Von Claudia Werner
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Guamá

Share if you care.