Lettland zieht zunehmend Interesse österreichischer Unternehmen an

11. Februar 2005, 15:40
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Exporte haben sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre verdoppelt - Lettlands Wirtschaft wächst jährlich um rund sechs Prozent

Riga - Durch den bevorstehenden EU-Beitritt werden auch die baltischen Staaten für österreichische Unternehmen als Absatzmärkte interessanter. Bei Direktinvestitionen spielt die Region aber noch eine geringe Rolle. Die Exporte in die drei Länder Lettland, Litauen und Estland haben sich in den vergangen zwei Jahren knapp verdoppelt und beliefen sich auf zusammen rund 220 Mio. Euro. Die Ausfuhren nach Lettland lagen im Vorjahr bei rund 80 Mio. Euro, das ist gegenüber 2001 ein Plus von 25 Prozent. Seit 2000 hätten sich die Exporte verdoppelt. Der Handelsbilanzüberschuss lag bei 59 Mio. Euro.

Es gebe in Lettland viele Chancen - von Vorhängen bis zu Maschinen, der Markt sei noch nicht gesättigt, so Georg Karabaczek, Handelsdelegierter in Helsinki, der auch für die baltischen Staaten zuständig ist, vor österreichischen Journalisten in Riga. Vor allem die Bereich Umweltschutz, Maschinenbau und IT böten gute Chancen. Das rund 2,3 Millionen Einwohner zählende Lettland will sich vor allem im IT- und Biotech-Bereich stark positionieren. Allerdings sei für den Markeintritt auch in Lettland rasches Handeln gefragt, "in drei bis vier Jahren ist es vorbei". Das Interesse österreichischer Unternehmen nehme jedenfalls zu.

Schwer gemeinsam zu erschließen

Die drei baltischen Länder könnten eher schwer von einem Land aus erschlossen werden, schon allein auf Grund der unterschiedlichen Sprachen. Wenn ein Unternehmen eine Niederlassung in Lettland gründe, könne man nur den lettischen Markt betreuen, müsse aber in Estland und Litauen eigene Niederlassungen gründen.

Lettland werde für heimische Unternehmen nicht der große Partner werden, so der Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Viktor Sigl. Einzelne Unternehmen könnten aber durchaus Fuß fassen. Zudem sei das Land auch als Sprungbrett nach Norden und Osten interessant. Wichtigste Exportprodukte aus Österreich sind Maschinen und Apparate, Papier und Pappe sowie Transportmittel.

Höchste Wachstumsraten

Innerhalb der mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer weist Lettland die höchsten Wachstumsraten auf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg 2001 um 7,1 Prozent, 2002 um 6,1 Prozent und auch für heuer werden wieder rund 6 Prozent erwartet. Motor des Wachstums sind die starke Inlandsnachfrage und die Bauwirtschaft. Den größten Beitrag zum BIP liefert der Dienstleistungssektor mit 70 Prozent, gefolgt von der Industrie mit rund 15 Prozent und der Landwirtschaft mit rund 5 Prozent. Die wichtigsten Industriezweige sind Holzverarbeitung und Textilindustrie.

Die Inflationsrate belief sich 2002 auf 1,4 Prozent. Für 2003 werden 2,2 Prozent erwartet. Relativ niedrig ist die Arbeitslosenrate, die seit dem Jahr 2000 unter 8 Prozent liegt. Für 2003 wird eine unveränderte Arbeitslosenrate von 7,5 Prozent erwartet. Allerdings gibt es in ländlichen Bezirken Arbeitslosenraten von mehr als 20 Prozent, während sie in der Hauptstadt Riga bei nur 3,6 Prozent liegt. Gut sind die Kennziffern für den Staatshaushalt: Das Defizit belief sich 2002 auf 2 Prozent des BIP, heuer sollen es 3 Prozent werden. Die Staatsverschuldung liegt bei rund 15 Prozent des BIP.

Starke Ausrichtung nach Skandinavien

Die ausländischen Direktinvestitionen liegen bei mehr als 2,5 Mrd. Euro, wobei es eine sehr starke Ausrichtung nach Skandinavien gibt. Auch Deutschland ist ein wichtiger Investor. Wichtigster Handelspartner Lettlands ist die EU mit einem Anteil von 60 Prozent an den Gesamtexporten. Auf die GUS entfallen rund 10 Prozent, auf Litauen 8 Prozent und auf Estland 6 Prozent.

Eines der Probleme in Lettland ist die Korruption, der die seit Ende des Vorjahres amtierende Regierung den Kampf angesagt hat. Es seien bereits Maßnahmen gesetzt, Polizisten, Zöllner und Staatsanwälte verhaftet worden, so Andris Teikmanis, Unterstaatssekretär im Außenamt. Andererseits seien die Gehälter angehoben worden, um die Lebensverhältnisse zu verbessern. In absehbarer Zeit werde die Korruption kein Thema mehr sein.

Große Minderheiten

Lettland ist innerhalb der drei baltischen Staaten das Land mit den größten Minderheiten. Rund 58 bis 59 Prozent der Einwohner sind nach Angaben des erst seit kurzem amtierenden Ministers für Integrationsfragen, Nils Muiznieks, Letten. Rund 30 Prozent sind Russen und der Rest vorwiegend Polen, Ukrainer und Weißrussen. Etwas weniger als 500.000 Einwohner haben keine lettische Staatsbürgerschaft, für deren Erlangung eine Prüfung unter anderem über die Kenntnis der lettischen Sprache abgelegt werden muss. Eines der Ziele der Regierung sei es, das Erlernen der Sprache zu erleichtern. Einer der Gründe für die hohe Zahl der Nicht-Bürger sei auch, dass diese einige Privilegien genössen, wie etwa die Nicht-Verpflichtung zum Militärdienst.

Mit dem EU-Beitritt werde auch die Zahl der Ansuchen um Staatsbürgerschaft erhöhen, erwartet Muiznieks. In Lettland wird das EU-Referendum am 20. September durchgeführt. Viele Menschen seien noch misstrauisch, so Teikmanis. Man habe eine Union verlassen und gehe nun schon in die nächste, dazu komme noch nordischer Skeptizismus. Er sei aber zuversichtlich, dass die Entscheidung positiv für den EU-Beitritt ausfallen werde.(APA)

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