Berlusconi: Italienische Truppen bleiben

22. April 2004, 09:52
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"UNO ist nicht in der Lage, militärische Kontrolle des Landes zu übernehmen"

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Mittwoch bei einem Besuch in Russland betont, dass die italienischen Truppen auch nach Ende Juni im Irak bleiben werden. "Ich denke, es ist notwendig, auch nach dem 30. Juni im Irak zu bleiben", meinte der italienische Ministerpräsident nach Angaben italienischer Medien. "Es ist schwierig, dass die UNO von der Koalition die militärische Kontrolle über den Irak übernimmt. Sie ist dazu nicht fähig, das sagt sie auch seit längerer Zeit offen", sagte der Ministerpräsident. Seiner Ansicht nach könnte es im Irak zu einem Einsatz der NATO kommen.

Berlusconi berichtete am Ende einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass sich seine Regierung weiterhin für die Befreiung der drei Italiener bemühe, die sich in den Händen irakischer Aufständischer befinden. Er gab jedoch zu, dass die Verhandlungen langsamer als bisher voranschreiten würden. Am Dienstagabend hatte sich der italienische Ministerpräsident über ein positives Ende der Geiselnahme zuversichtlich gezeigt.

Berlusconis Worte gelten als Herausforderung für die Opposition in Italien. Die Grünen, die Italienischen Kommunisten und die altkommunistische Rifondazione riefen die stärksten Oppositionsparteien (Linksdemokraten und Sammelbewegung Margherita) zur Einreichung eines gemeinsamen Antrags im römischen Parlament ein, um den sofortigen Abzug der italienischen Truppen zu verlangen.

Die italienische Opposition ist gespalten. Während die so genannten Pazifistenparteien dem spanischen Beispiel folgen wollen, drängen die Linksdemokraten (DS, stärkste Oppositionspartei) im Parlament auf einen Verbleib der Truppen bis 30. Juni. "Spaniens Beschluss setzt die USA stark unter Druck. Bis zum 30. Juni fehlen zehn Wochen. Die Amerikaner müssen endlich entscheiden, was sie im Irak unternehmen wollen", sagte der Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino. (APA)

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