Die nächste Generation

23. April 2004, 15:41
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Vier Talente, drei Erfolgswege - Vanek, Setzinger, Koch, Welser sind die offensiven Aushängeschilder des Teams

Wien - Im Februar 1998 spielte eine kleine österreichische Boy-Group im Colisee von Quebec groß auf. Thomas Vanek, Oliver Setzinger, Daniel Welser und Thomas Koch hießen die 14-jährigen Burschen, die beim Pee-Wee-Turnier, dem größten Eishockey-Nachwuchsturnier der Welt, vor internationalen Scouts eine Talentprobe ablegten. In Kärnten, Skandinavien und den USA absolvierten die Vier seither ihre sportliche Ausbildung, als Zwanzigjährige sind sie nun fixe Größen im Nationalteam.

"Eine Masse junger, guter Spieler"

"Ich bin jetzt 35 Jahre im Eishockey und ich kann mich nicht erinnern, dass wir je so eine Masse junger, guter Spieler hatten", sagt Verbandskapitän Giuseppe Mion über die vielleicht besten Jahrgänge, die Österreich je hatte. Vor zwei Jahren hatten Spieler des Jahrgangs 83 plus einige 84-er (Vanek) für Aufsehen gesorgt, als sie Österreichs U20-Team in die A-Gruppe führten, bei der WM ab Samstag in Tschechien will das stürmende Quartett Österreich ins Viertelfinale schießen.

"Eine realistische Chance"

"Wir haben keine schlechte Mannschaft, das ist eine realisitsche Chance", sagt Vanek, der als das größte Talent gilt. Vor sechs Jahren ging Vanek nach Amerika, im College von Minnesota sorgt der Grazer seit zwei Jahren für Furore, die Buffalo Sabres sicherten sich als Nummer fünf im NHL-Draft seine Rechte. Im Sommer will er ins Profilager wechseln. "Wir verhandeln gerade mit Buffalo. Wenn alles passt, werde ich die Chance wahrnehmen. Das ist ein großer Schritt, aber ich liebe schwere Herausforderungen", sagt der bullige Stürmer, der auch Mion voll überzeugt hat. "Wenn er aufs Tor zufährt, wird er zur 'Bestie'. Er ist noch nicht am Zenit, aber er könnte der Torjäger sein, den wir lange nicht hatten", sagt der Verbandskapitän.

Twen-Linie

Während Vanek seine erste WM spielt, haben die anderen Drei schon Erfahrung auf diesem Niveau. Koch (Center), Welser (links) und Setzinger (rechts) werden, wie auch schon teilweise im Vorjahr und im Nachwuchs, gemeinsam in einer Linie spielen. Für die Twen-Linie gesellt sich Setzinger zu den beiden KAC-Stürmern. Der Wiener spielt seit Jahren in Finnland und hat nach zwei Transfers im Herbst in Hämeenlinna sein Glück gefunden. Allerdings zieht es Setzinger in die USA. Die Nashville Predators haben sich seine Rechte gesichert, im Sommer will er die Chance beim NHL-Klub oder dem Farm-Team Milwaukee wahrnehmen.

Gute Rahmenbedingungen

Dass die Ausbildung nicht unbedingt im Ausland absolviert werden muss, zeigen Koch und Welser. Die Krise der heimischen Liga und die anschließende Ausländer-Beschränkung eröffnete dem Duo eine Chance, die sie nützten. Mit 16 (Koch) und 17 (Welser) debütierten sie beim KAC und mauserten sich mittlerweile zu Leistungsträgern der Meistermannschaft 2004. "Wir hatten eine sehr gute Ausbildung in Klagenfurt, und in den Vereinen und beim Team hat man den richtigen Weg eingeschlagen", stellt Welser den Rahmenbedingungen ein gutes Zeugnis aus.

Der Weg führt in die Fremde

Der nächste Schritt führt aber weg aus Österreich. Koch hat beim schwedischen Elite-Klub Lulea einen Einjahresvertrag unterschrieben ("Das ist einmal der nächste Sprung, es gibt viele Sachen, die ich dazu lernen kann"), Welser will ihm bald in eine europäische Top-Liga folgen. Der gerade 21-Jährige, der im Vorjahr bei der WM zum besten Spieler im ÖEHV-Team gewählt worden ist, hat zwar beim KAC für ein weiteres Jahr unterschrieben, aber mit einer Ausstiegsklausel fürs Ausland.

Welser: "Ausgeträumt habe ich noch nicht"

"Ich will ins Ausland. Nächstes Jahr oder vielleicht noch heuer. Wichtig ist für mich, eine gute WM zu spielen, um das Interesse der Scouts zu wecken", sagt der Kärntner, der zumindest in Deutschland seine Visitenkarte schon abgegeben hat. Im Testspiel bezwang er NHL-Torhüter Olaf Kölzig nach sehenswerten Finten. Mit Blick auf seinen Landsmann Thomas Pöck, der bei den New York Rangers in der NHL gelandet ist, meint er: "Man sieht, dass man eine Chance hat, dass sie auch auf österreichische Spieler zurückgreifen. Ausgeträumt habe ich noch nicht."

Hinter dem Quartett warten die nächsten Talente auf ihre Chance. Die Verteidiger Pfeffer (23), Klimbacher (22) und Reichel (21), sowie die Stürmer Kaspitz (22), Horsky (21) und Chris Harand (22) hoffen auf ein Ticket für das WM-Team. Zwei oder drei von ihnen vergeblich. (APA)

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