Haban-Mord: Früherer Verdächtiger nach Schießerei in Italien in Haft

22. April 2004, 23:07
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Mann übefuhr bei Polizeistopp Beamten mit getohlenem Porsche - im Raubmord auf den Wiener Nobeljuwelier zu lebenslänglicher Haft verurteilt

Rom - Der Italiener Michele D., der verdächtigt worden war, bei einem Raubversuch auf den Wiener Innenstadt-Juwelier Haban 1998 die tödlichen Schüsse auf den Geschäftsführer Siegfried Goluch abgefeuert zu haben, ist am Dienstagabend im Zusammenhang mit dem Tod eines italienischen Polizisten festgenommen worden. Der 30-Jährige aus Bologna wurde auf einer Autobahn unweit der norditalienischen Stadt Reggio Emilia verhaftet, nachdem er den Polizisten überfahren hatte.

Lebenslängliche Haft und Freisruch

D. war im Prozess um den "Haban-Mord" in Bologna zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung wurde er im März 2002 jedoch freigesprochen, was das Kassationsgericht in Rom später formell bestätigte.

Bei Kontrolle überfahren

Der 30-Jährige, der in italienischen Ermittlerkreisen als "Schwerkrimineller" bezeichnet wird, war am Dienstag mit einem zweiten Mann auf der Autobahn in einem Porsche unterwegs, den er in der Lombardei gestohlen hatte. Die Polizei, die dem Wagen auf der Spur war, wollte D. unweit der Abfahrt in Richtung Reggio Emilia stoppen. Der 28-jährige Beamte versuchte mit einer Pistole in der Hand, D. zum Aussteigen aus dem Auto zu zwingen. Der Kriminelle gab jedoch Gas und überfuhr den Polizisten.

Schießerei

Die Kollegen Biondis feuerten mehrere Pistolenschüsse auf den Porsche. D. und sein Komplize mussten anhalten und wollten zu Fuß flüchten. Sie wurden jedoch verletzt und festgenommen. D. wurde in ein Krankenhaus in Reggio Emilia gebracht. Im Porsche entdeckten die Polizisten unter anderem zwei Kilogramm Kokain und eine Waffe.

Michele D., dem Kontakte zur Mafia nachgesagt werden, hatte Mitte der neunziger Jahre Überfälle auf Banken, Wechselstuben und Juweliere begangen. Nachdem dem Freispruch im Fall Haban im März 2002 befand er sich wieder auf freiem Fuß.

Überfall auf Juwelier Haban

Siegfried Goluch war vor knapp sechs Jahren an seinem Arbeitsplatz erschossen worden: Unbekannte stürmten am 9. Mai 1998 den Wiener Nobeljuwelier und feuerten auf den 43-Jährigen. Seit Montag muss sich mit Massimiliano F. (31) einer der drei Männer, die den Wiener Kriminalisten als mutmaßliche Täter gelten, im Wiener Landesgericht verantworten. Der Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft Beteiligung an der Tat vorwirft, sowie Michele D. und ein dritter angeblicher Komplize waren in dieser Sache 2002 in ihrer italienischen Heimat rechtskräftig freigesprochen worden.(APA)

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