Teilchenphysik rettet alte Schallplatten

28. April 2004, 10:59
2 Postings

Scanner hilft Musikarchiven den Sound der Vergangenheit zu bewahren

Teilchenphysiker in Kalifornien haben Bosonen (Teilchen) gegen Basslines eingetauscht in der Hoffnung frühesten Sound-Aufnahmen neues Leben einzuhauchen. Das Lawrence Berkeley National Laboratory hat eine Technik entwickelt, die den Forschern erlaubt digitale Kopien von alten Platten zu schaffen, ohne die zerbrechlichen Platten zu beschädigen. Das berichtet das Magazin Nature .

Lichtsensor

Die Technik benutzt einen Lichtsensor, der ursprünglich entwickelt wurde, um den Weg von subatomaren Teilchen, wie den Bosonen, zu verfolgen, um Bilder von der Spur der Platte einzufangen. Diese werden dann von einem Computer verwendet, um die Aufnahme zu rekonstruieren, wobei jegliche Hintergrundgeräusche ausgefiltert werden können, um eine fehlerfreie Digitalversion zu erhalten. Die Forscher haben bereits eine Kopie von Marian Andersons Darbietung von "Nobody Knows the Trouble I´ve Seen" aus dem Jahr 1947 geschaffen, ohne Kratzer, Knackgeräusche und Röhrenrauschen.

Traditionelle Remastering-Techniken verwenden zum Rückspielen der Platte eine Tonabnehmernadel, während sie eine digitale Aufnahme vom Ergebnis machen. Aber das kann die empfindlichen Wachs-, Schellack- oder Vinyl-Originale beschädigen, sagt Carl Haber, der das neue Projekt leitet.

Berührungsfrei

Die neue Methode ist berührungsfrei. Das bedeutet nicht nur, dass die Platten bewahrt werden können, sondern auch dass bereits beschädigte Platten gerettet werden können, da mithilfe der neuen Methode die einzelnen Stücke einer gebrochenen Platte digital wieder zusammengesetzt werden können.

"Es eröffnet eine Menge Möglichkeiten" , begeistert sich Mark Roosa, Direktor der Kongress-Bibliothek in Washington DC. Dieses System würde es erlauben, die Vergangenheit zurück zu gewinnen. Es sei ein bisschen Archäologie. Roosa hofft die Technik würde Sound von den Anfängen der Aufnahme im späten 19. Jahrhundert retten.

Die Worte von Thomas Edison

Historiker konnten sogar die Worte von Thomas Edison hören, dem Vater des aufgenommenen Sounds, sagt Roosa. Edison wird die erste Aufnahme überhaupt zugeschrieben, als er "Mary Had a Little Lamb" in das Mundstück seines 1877 erfundenen Aluminium-Tonaufzeichnungsgerät rezitierte.

Öffentlicher Gebrauch

Aber nicht nur Historiker könnten davon profitieren; die neue Methode könnte als Kopierer für Aufnahmen eingesetzt werden, hofft Haber. Die Aufnahmen in Computerdateien so wie das weltweit benutzte mp3-Format zu konvertieren, könnte sie für einen öffentlichen Gebrauch ohne die Notwendigkeit eines speziellen Equipments eröffnen, argumentiert Haber.

Berührungsfreie Rekonstruktionen würden einen großen Nutzen für die Bewahrung der eine Mio. Platten in der britischen Nationalbibliothek darstellen. Die Bibliothek hat ein Arsenal von Plattenspielern, aber die meisten Aufnahmen sind einfach zu zerbrechlich um sie zu spielen. Scannen ist die einzige Methode, um sie wiederzuerlangen. (pte)

Share if you care.