Seselj will erneut bei serbischer Präsidentenwahl mitmischen

22. April 2004, 14:58
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Ultranationalist setzt auf Slobodan Milosevic als "Wahlhelfer"

Belgrad - Der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj will erneut bei der serbischen Präsidentenwahl mitmischen. Dabei kann der Chef der Serbischen Radikalen Partei (SRS), der sich seit Februar 2003 im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals befindet, nicht mehr selbst antreten. Er setzt aber auf einen "prominenten Wahlhelfer". Den ebenfalls in Scheveningen einsitzenden Ex-Präsidenten Jugoslawiens Slobodan Milosevic.

Laut Medienberichten von Ende vergangener Woche wandte sich Seselj mit einem Schreiben an den Präsidentschaftskandidaten seiner Partei, Tomislav Nikolic. Es soll bei SRS-Wahlkundgebungen verlesen werden. Es enthält auch Lob für den früheren Präsidenten Slobodan Milosevic.

Seselj wurde vor dem Haager UNO-Tribunal Anfang des Vorjahres wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo angeklagt. Er hatte sich selbst dem Tribunal gestellt. Ein Termin für den Beginn des Prozesses steht noch nicht fest.

Der Ultranationalisten-Chef, dem wegen eines ähnlichen Versuches Anfang Dezember des Vorjahres ein Kontaktverbot mit der Außenwelt auferlegt wurde, berichtet nun, dass er sich seit einiger Zeit im selben Gefängnistrakt wie der ehemalige jugoslawische Staatschef Slobodan Milosevic befindet.

Milosevic verteidige sich glänzend, er sei voll von Enthusiasmus und sich bewusst, für die Interessen der Heimat und des Serbentums zu ringen, gibt Seselj in seinem Schreiben enthusiastisch, Er will bei den SRS-Anhängern offenbar den Eindruck wecken, dass die Präsidentschaftskandidatur von Nikolic auch die Unterstützung des früheren Staatschefs genießt. Diese "Zauberformel" hatte der SRS bei früheren Wahlen bereits Stimmen gebracht.

"Es wäre gut, dass man sich im Parlament und durch die Medien noch energischer der Verfolgung der Familie Milosevic widersetzt", empfahl Seselj seinem Belgrader Präsidentschaftskandidaten. Laut den Vorschriften des Tribunals wurden dem Ultranationalisten seit Dezember nur Kontakte zur Familie, den Anwälten und diplomatischen Vertretern seines Staates genehmigt.

Die Belgrader Wochenzeitschrift "Nedeljni telegraf" brachte am Mittwoch den Abdruck des angeblich am 15. April verfassten Textes. Es enthält auch eine Reihe von Hinweisen an sein Belgrader Anwaltsteam, das für ihn Anträge an das Tribunal vorbereiten soll. Seselj will unter anderem für das Vorjahr die Verteidigungskosten in Höhe von 200.000 Dollar ersetzt bekommen. (APA)

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