Heimische Top-Manager unzureichend informiert

11. Februar 2005, 15:32
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Für A.T. Kearney "klares Warnsignal" - WU-Professor: Vor allem zu wenig Wissen über Fördermöglichkeiten - Führungskräfte sehen mehr Chancen als Risiken

Wien - Unmittelbar vor der für 1. Mai anstehenden Erweiterung der Europäischen Union (EU) von 15 auf 25 Mitgliedsländer fühlen sich nur 31 Prozent der heimischen Top-Manager über dieses Thema ausreichend informiert und vorbereitet. Dies ergab eine Befragung des Consultingunternehmens A.T. Kearney unter Spitzenleuten von Österreichs 500 umsatzstärksten Unternehmen. Geschäftsführer Robert Kremlicka wertet dieses Ergebnis als "klares Warnsignal".

"Denn wenn ich als Unternehmen von der Erweiterung profitieren will, muss ich meine Strategie und meine Organisation spätestens heute auf einen erweiterten Heimmarkt ausrichten", erklärte der A.T.Kearney-Österreich-Chef am Mittwoch anlässlich der Präsentation der aktuellen "Top Manager Index (TMI) II"-Studie.

"Erhebliches Informationsdefizit"

Raschen Handlungsbedarf sieht auch Univ.Prof. Gerhard Speckbacher von der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU Wien): "Der Wissensstand ist zwar in den vergangenen neun Monaten gestiegen, dennoch zeigen viele Unternehmen noch immer ein erhebliches Informationsdefizit, speziell was die Förderungsmöglichkeiten durch die EU betrifft", sagte der Leiter des WU-Instituts für Unternehmensführung.

Immerhin noch 40 Prozent der Unternehmen geben an, nur unzureichend über Förderungsmöglichkeiten in den Beitrittsländern informiert zu sein, im Juni vergangenen Jahres waren es 74 Prozent. Über Umweltauflagen fühlt sich noch ein Drittel schlecht informiert (zuletzt 59 Prozent), über den Arbeitsmarkt und die Infrastruktur in den neuen Ländern je 17 Prozent (46 Prozent). Den besten Informationsstand haben die Firmen zum Thema steuerliche Rahmenbedingungen und Absatzmärkte (nur 15 bzw. 10 Prozent fühlen sich unzureichend informiert).

Kritischer Ausblick

Insgesamt beurteilen die Führungskräfte die Zukunftsentwicklung kritischer als noch vor einem dreiviertel Jahr, wiewohl sie weiterhin überzeugt sind, dass die EU-Erweiterung der heimischen Wirtschaft deutlich mehr Chancen als Risiken bringt.

Entgegen der Skepsis breiter Kreise österreichischen Bevölkerung - hier haben laut A.T.Kearney nur 41 Prozent positive Erwartungen - stehen laut der Top-Manager-Befragung (Erhebungszeitraum Dezember/Jänner) 89 Prozent der Führungskräfte der EU-Erweiterung positiv gegenüber. Dies seien nur knapp weniger als im Juni 2003, als der TM-Index erstmals präsentiert wurde (92 Prozent).

Positiv für Standort Österreich

Besonders für den Standort Österreich sehen die Manager die EU-Erweiterung durchwegs positiv: 95 Prozent der Befragten rechnen demzufolge durch die Erweiterung mit einem steigenden Wirtschaftswachstum in Österreich, 78 Prozent sehen eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich - und drei Viertel gehen sogar von einer Steigerung der heimischen Wettbewerbsfähigkeit auf der internationalen Bühne aus.

Differenzierter wird das Bild dagegen in der eigenen Branche gesehen: So sank die Zahl der Unternehmen, die kurzfristig mehr als Chancen als Risiken in der Erweiterung erkennen, von 68 auf 61 Prozent. Langfristig sehen nur noch 71 Prozent mehr Chancen als Risiken (nach 81 Prozent im Juni). Obwohl sich für heimische Firmen also noch erhebliche Chancen bieten würden, sei die "Zeit der Goldgräberstimmung vorüber", konstatiert A.T. Kearny.

Investitionsentscheidungen für den CEE-Raum und das Ausland insgesamt treffen heimische Manager vor allem nach den Kriterien Rechtssicherheit (74 Prozent), Marktvolumen (55 Prozent) und Marktwachstum (51 Prozent). Steuerliche Rahmenbedingungen spielen laut der Befragung für 37 Prozent der Unternehmen eine wichtige Rolle, die vorhandene Infrastruktur nur für 30 Prozent.(APA)

  • Noch 40 Prozent der Unternehmen geben an, nur
unzureichend über Förderungsmöglichkeiten in den Beitrittsländern informiert zu sein
    foto: photodisc

    Noch 40 Prozent der Unternehmen geben an, nur unzureichend über Förderungsmöglichkeiten in den Beitrittsländern informiert zu sein

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