Ein Meister der bohrenden Fragen

29. April 2004, 11:42
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Kopf des Tages: Watergate-Enthüller Bob Woodward sorgt wieder für Schlagzeilen

Viele Amerikaner assoziieren den Namen Bob Woodward mit dem Bild des Filmstars Robert Redford: Es war Redford, der den legendären Reporter und Watergate-Enthüller in dem Film "All the President's Men" auf der Filmleinwand verkörperte. Der wirkliche Woodward hat mit seinem Alter Ego im Film jedoch wenig gemeinsam: Der 61-jährige Starreporter und Buchautor wirkt in Interviews ein wenig verkrampft, spricht bedächtig - und weiß vor allem, wann er schweigen und wann er bohrende Fragen stellen muss.

"Plan of Attack"

Viele seiner Interviewobjekte haben ihre Offenheit später bereut. Woodward bereitet sich auf jedes seiner Bücher mit Akribie vor - so hat er für sein jüngstes Werk, "Plan of Attack", insgesamt 75 Personen, darunter Präsident George W. Bush, ausführlich interviewt, die Antworten seiner Gesprächspartner sorgfältig überprüft und daraus letztlich eine spannende Geschichte gewoben. Das Resultat ist wie fast immer bei Woodward voller Knüller - so sensationell, dass die Autorin Joan Didion einmal von "politischer Pornografie" sprach. Dabei fällt ihm das Schreiben nicht leicht: Ein Washington Post-Kollege aus seiner Watergate-Zeit erklärte: "Carl (Bernstein, Anm.) hat die Artikel geschrieben; Bob war es, der die Informationen ausgrub."

"Woodstein"

Woodward, 1943 als Sohn eines Richters in Illinois geboren, wuchs in einem konservativen Haushalt auf, besuchte Privatschulen und die Yale University und begann bald mit dem Journalismus. Nach nur neun Monaten bei der Washington Post begann er gemeinsam mit Carl Bernstein - die beiden wurden während des Watergate-Skandals als "Woodstein" bezeichnet - und mithilfe einer bis heute ungenannten hochrangigen Quelle ("Deep Throat") die Hintergründe von Watergate aufzudecken. Noch 1968 hatte der damals als Republikaner registrierte Woodward Richard Nixon gewählt - heute ist er unabhängig: Demokraten und Republikaner sind gleichermaßen bereit, ihm Rede und Antwort zu stehen. Manche allerdings, so der Woodward-Kritiker Christopher Hitchens, im Austausch gegen eine vorteilhafte Berichterstattung.

Nach dem großen Erfolg von zwei Büchern über Watergate nahm Woodward mehrere Personen und Institutionen unter die Lupe, darunter den Obersten Gerichtshof, die CIA, Notenbankchef Alan Greenspan und den früh verstorbenen Komiker John Belushi - in den vergangenen Jahren aber vor allem die Politik der jeweiligen Präsidenten.

Von seiner ersten Frau Kathleen ließ sich Woodward scheiden, seine Tochter aus dieser Ehe arbeitet heute als Journalistin für eine Zeitung in San Francisco. Mit seiner zweiten Frau Elsa Walsh, die für den New Yorker schreibt, ist Woodward seit 1981 zusammen, Tochter Diana wurde 1996 geboren. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2004)

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