14-jähriger Grazer als Heroindealer

21. April 2004, 19:44
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Vier Jugendliche standen vor Gericht, ausgerechnet der Fall des Jüngsten erregt Aufsehen

Graz - Vier junge Grazer standen am Dienstag in Graz vor Gericht, weil ihnen Einbruchdiebstähle angelastet wurden. Ihre Anwälte sehen teilweise verzweifelt aus. Drei der Jugendlichen haben bereits Vorstrafen, einer schon vier. Mit Fahrraddiebstählen, Einbrüchen und schließlich dem Raub der Handtasche einer 80-Jährigen auf dem Zentralfriedhof finanzierten die Täter ihren Konsum von Alkohol, Heroin oder Marihuana.

Ausgerechnet der Fall des Jüngsten erregt Aufsehen - selbst innerhalb der Polizei. Der 14-jährige Hauptschüler Mario wurde am Tag vor der Verhandlung, am Montag, als Dealer festgenommen und ist seither in Untersuchungshaft. Maximilian Ulrich von der "Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Drogen" erklärt: "Wir sind ihm durch Abnehmer auf die Spur gekommen und wollten es zuerst nicht glauben, aber er war voll geständig."

Therapie abgebrochen

Der Bub, der eine Behandlung bei der Drogentherapie-Einrichtung Grüner Kreis abgebrochen hat, soll 300 Gramm Heroin und 60 Gramm Marihuana im Wert von 42.000 Euro verkauft haben. Bei der Verhandlung am Dienstag spricht Richter Werner Zinkl den schüchternen Angeklagten auf diese neuen Wendungen seiner "Karriere" an. "Da soll es ja um eine gescheite Menge geben, hab i ghört". "Die Menge stimmt nicht", meint der Jugendliche, dessen Mutter hinter ihm sitzt, darauf kleinlaut.

Dann erzählt er, dass er nicht mehr Heroin, sondern die Ersatzdroge Substitol konsumiere. Die Therapie habe er nach zweieinhalb Monaten abgebrochen, weil er lieber bei seinem Onkel wohnen wollte. "Zweieinhalb Monate sind doch keine Therapie. So werden's net alt werden", belehrt ihn der Richter. Mario zuckt mit den Schultern.

Sein Freund, der wegen des Handtaschendiebstahls, bei dem drei der Burschen fünf Euro erbeutete, mit auf der Anklagebank sitzt, will seine eineinhalbjährige Therapie beim Grünen Kreis fertig machen. Er bekommt ein mildes Urteil: Wenn er seine Therapie erfolgreich abschließt, muss er nicht ins Gefängnis.

Mario wird zu sechs Monaten bedingt verurteilt. Sein Anwalt Rudolf Graßler zum STANDARD: "Das ist im Prinzip gar nichts". Jetzt gelte es, die Verhandlung wegen Suchtgifthandel abzuwarten und ihn erneut zu einer Therapie zu bewegen. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD; Printausgabe, 21.4.2004)

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