Von der Flohfalle zur k. k. Spiralnudel

22. April 2004, 21:55
posten

Prachtvolle Handwerkskunst und erste Fabrikate im Technischen Museum

Das größte Schaustück ist ein "Tiegel" mit mächtigem 120-Tonnen-Gewicht: Ein Schmelztiegel aus der Stahlproduktion. Das kleinste Ausstellungsstück wiederum ist derart klein, dass man den museumseigenen Floh "Karli" zur Veranschaulichung daneben präsentiert: Es ist eine aus Elfenbein gefertigte Flohfalle, die vornehme Damen am Dekolletee tragen konnten. Als Köder diente ein Tropfen Blut.

Seien es nun Meisterleistungen der Handwerkskunst oder Produkte des beginnenden Industriezeitalters: Die Habsburger hatten sie in ihrem "k.k. Nationalfabriks- produktenkabinett" gesammelt. Franz I. hatte diese Sammlung wenige Jahre nach seiner Krönung (1804) ins Leben gerufen. 1823 umfasste sie bereits mehr als 16.000 Objekte: Werkzeuge, Modelle, Halbfabrikate, Endprodukte.

"Massenware Luxusgut"

Jetzt ist diese Produktvielfalt die "älteste und historisch wertvollste Sammlung des Technischen Museums", wie Direktorin Gabriele Zuna-Kratky am Dienstag betonte. Denn Teile dieser Produktvielfalt aus dem 19. Jahrhundert werden jetzt im Technischen Museum als "Massenware Luxusgut" präsentiert - immerhin 1200 Objekte.

Seien es nun Krägen aus Papier, Fußwärmer aus Steingut, Echthaar, Modelle von Landmaschinen, luxuriöses Porzellan, prächtige Glaswaren - oder einfach nur Teigwaren; k.k. Spiralnudeln quasi, inzwischen auch schon 170 Jahre alt. Die ältesten gezeigten Waren kommen aus dem Biedermeier mit seiner späten Blüte des "alten Handwerkes" - Endpunkt die Wiener Weltausstellung 1873 mit all dem Stolz industrieller Leistungen.

Glas- statt Goldaugen

Zum Teil wurden auch durchaus skurrile Gegenstände zum Objekt der habsburgischen Sammelleidenschaft. Wie etwa eine Palette von Glasaugen, die sich schließlich gegen die Prothesen-Konkurrenz aus Gold, Silber oder Porzellan durchsetzte.

Die verschiedensten Zielgruppen werden hier mit unterschiedlichsten Erzählweisen angesprochen. Und zwar mithilfe von Begriffspaaren wie "Natur und Kultur", "Idylle und Aufbruch", "Bedarf und Luxus" oder "Einzelstück und Serie". Selbstverständlich werde auch der jüngsten Zielgruppe wieder etwas geboten, so Zuna-Kratky: "Ein Atelier, in dem man selbst drucken und stanzen kann." Hier können die früher üblichen Papierkrägen und Manschetten in eigener Herstellung gefertigt werden. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 21.4.2004)

Massenware Luxusgut, Technisches Museum Wien, ab 22. April, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr (am 1. Mai ist das TM geschlossen)

Link

Technisches Museum

  • Glausauge sei wachsam: Der habsburgischen Sammelwut entging nichts.
    foto: tmw

    Glausauge sei wachsam: Der habsburgischen Sammelwut entging nichts.

Share if you care.