Stifter warten auf Stiftung

21. April 2004, 19:35
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Die Zukunft des Theaters in der Josefstadt bleibt ungewiss - Derzeitiger Trouble-Shooter Lohner: "Ich habe überhaupt keine Ahnung darüber"

Wien - Mitte Jänner, nach dem unrühmlichen Ende der Kurzzeitdirektion von Hans Gratzer, kündigte Andreas Mailath-Pokorny, der Wiener Kulturstadtrat, wie schon im November 2001 "innerhalb des nächsten halben Jahres" die Errichtung einer Stiftung für das Theater in der Josefstadt an. Doch bis heute scheint nicht viel unternommen worden zu sein. Helmuth Lohner, 20-Prozent-Miteigentümer und gegenwärtig Troubleshooter, sagt: "Ich habe überhaupt keine Ahnung darüber. Ich habe nur meine Zustimmung gegeben und bin auf jeden Fall für die Stiftung."

Deren Gründung ist hoch an der Zeit: Der Publikumsliebling, der heute, Mittwoch, eine Pressekonferenz zum Spielplan der kommenden Saison gibt, hatte sich bereit erklärt, das Theater interimistisch maximal zwei Jahre zu führen. Diese Zeit sollte an sich genützt werden, einen Nachfolger aufzubauen. Alle Beteiligten sind sich aber einig, dass der neue Direktor vom Stiftungsrat bestellt werden soll.

Die Josefstadt ist das einzige große Privattheater in Wien: Je ein Fünftel der Anteile halten - neben Lohner - Geschäftsführer Alexander Götz, Heinrich Kraus, Doris Stoß, Witwe nach Franz Stoß, und Exdirektor Robert Jungbluth, der jene von Susi Nicoletti übernahm. Die Bereitschaft der Gesellschafter, die Anteile zu stiften, sei gegeben, sagt Jungbluth. "Die gegenwärtige Konstruktion war schließlich lang genug ein Provisorium." Es sei "eine Schande", wie mit dem Theater, das älter ist als das La Fenice, umgegangen werde.

Falls es wirklich zu einer Stiftung komme, müssten die Aufgaben der Josefstadt genau festgehalten werden: Jungbluth nennt als Kriterien unter anderem das Bekenntnis zum Ensembletheater und zum Repertoirebetrieb mit Abonnements und die Möglichkeit zu Gastspielen. Zudem habe die Stiftung eine private sein: Das Theater solle nicht "Kleinbeamten" ausgeliefert werden dürfen. In den Stiftungsrat sollten seiner Meinung nach nur wirkliche Persönlichkeiten berufen werden. Er selber hege kein gesteigertes Verlangen, in diesem zu sitzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2004)

Von
Thomas Trenkler
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