Freiwillige vor!

27. April 2004, 17:53
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Bei der Heeresreform wird es vor allem darum gehen, wie man junge Menschen dafür begeistert, militärische Profis zu werden - Ein Kommentar von Conrad Seidl

Österreichs Bundesheer ist, wenn man es genau nimmt, längst ein Freiwilligenheer: Der Zivildienst ermöglicht, dass niemand gezwungen wird, dem Ruf zu den Waffen zu folgen - alleine die relativ kurze Dienstpflicht von acht Monaten unterscheidet das Bundesheer noch von echten Berufsarmeen, wo man sich von 24 Monaten aufwärts verpflichten muss.

Bei der anstehenden Reform des Bundesheeres geht es daher nicht um acht, sechs oder noch weniger Monate, sondern darum, wie man junge Menschen dafür begeistern kann, militärische Profis zu werden - und nach einer gewissen Zeit wieder aus dem Militär auszuscheiden. Denn für eine Feldverwendung müssen Soldaten relativ jung sein - MG-Schützen, Panzerfahrer oder auch Feldköche, die über 40 Jahre alt und womöglich auch noch pragmatisiert sind, kann es künftig nicht mehr geben.

Was das Bundesheer der Zukunft dagegen braucht, sind Freiwillige, die sich für eine begrenzte Zeit verpflichten, spezielle militärische Kenntnisse erwerben - und nach ein paar Jahren wieder in einen zivilen Beruf wechseln. Um das in diese Soldaten investierte Ausbildungskapital optimal nutzen zu können, braucht das Heer dann noch ein zweites Anreizsystem.

Gerade für die wichtiger werdenden Auslandseinsätze werden Milizsoldaten gebraucht, die sowohl militärische als auch zivile Erfahrung haben und auch bereit sind, diese Kenntnisse ein zweites Mal mit einer freiwilligen Meldung einzubringen - im Kosovo, in Afghanistan, auf dem Golan oder wo auch immer österreichisches Militär gebraucht wird. Das schließt Einsätze im Inland ein: Nur wenn das Bundesheer im Inland unter Beweis stellt, was es im Notfall (ob bei Lawinenkatastrophen oder Terrordrohungen) kann, wird es Freiwillige finden, die für gewisse Lebensphasen den Beruf eines Soldaten wählen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21. 4. 2004)

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