Neuer Vorstand bestellt

27. April 2004, 13:37
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Neubestellung Vorm Waldes war strittig - Auch Söllinger und Ex-FPÖ-Klubdirektor Moser in den Vorstand gewählt

Wien - Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ist heute, Dienstag, der Vorstand für die neue ÖBB-Holding bestellt worden. Nach siebenstündiger Sitzung ist der bisherige Generaldirektor Rüdiger vorm Walde (57) vom neuen Aufsichtsrat in seiner Funktion bestätigt worden. Daneben ziehen auch Erich Söllinger (41), schon bisher ÖBB-Finanzchef, sowie der amtierende HL-AG-Vorstand und frühere FPÖ-Klubdirektor Josef Moser (48), in den neuen Holding-Vorstand ein, teilten die ÖBB am Abend mit.

Die Wiederbestellung Vorm Waldes soll im bereits Ende März erneuerten Aufsichtsrat allerdings nicht unumstritten gewesen sein. Der neue ÖBB-Aufsichtsratspräsident, Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer, betonte zwar nach der Sitzung, dass das Vertrauen der Aufsichtsräte in die drei neuen Holding-Vorstände "gegeben" sei. Laut Eigentümerkreisen sollen einige der insgesamt neun neuen Aufsichtsräte aber Einwände angemeldet haben. In den Kreisen spricht man von einer "Übergangslösung". Deshalb würden die Verträge vorerst auch nur drei Jahre laufen. Offen ist auf Grund der Diskussionen auch noch die Aufgabenverteilung unter den Holding-Vorständen. Sie soll erst in der nächsten Aufsichtsratssitzung - voraussichtlich am 17. Mai - beschlossen werden.

Deutliche Verspätung

Die Bestellung der drei neuen Holding-Vorstände kommt ohnehin bereits mit deutlicher Verspätung. Nach ursprünglichen Plänen hätten die Aufsichtsräte und Vorstände der neuen ÖBB-Holding bereits im Februar ernannt werden sollen. Hinter den Kulissen soll es zuletzt ein heftiges Tauziehen zwischen den Regierungsparteien ÖVP und FPÖ um die Vorstandsbesetzung gegeben haben.

ÖBB-Präsident Reithofer betonte aber, dass die Bestellung letztendlich "total unpolitisch erfolgt" sei. Es habe keinen politischen Auftrag gegeben. "Die Aufsichtsräte hätten sich so etwas auch verbeten", sagte er im Gespräch mit der APA. Außerdem unterstrich Reithofer, dass die Bestellung der neuen Vorstände schließlich einstimmig erfolgt sei. Die Gespräche in der konstituierenden Aufsichtsratssitzung seien "sehr konstruktiv und sachorientiert" gewesen. Sogar die Gewerkschaft habe die neuen Vorstände mitgetragen, sagte Reithofer zur APA. Die Gewerkschaft begründet dies damit, dass es sonst keine "qualifizierten Bewerber" gegeben hat.

Managementstrukturen fixieren

In den nächsten Beratungen will der Aufsichtsrat laut Reithofer neben der Aufgabenverteilung im Holdingvorstand auch bereits die Managementstrukturen und die Zielvorgaben für neuen ÖBB-Töchter fixieren. Das Unternehemen soll bis Jahresende in neun Gesellschaften geteilt werden. Für die vier Aktiengesellschaften (Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur Bau und Infrastruktur Betrieb) direkt unter der Holding könnte der Aufsichtsrat noch im Mai die neuen Vorstände auswählen, so Reithofer.

Der Wienerberger-Chef ist vom ÖBB-Holding-Aufsichtrat bei dessen konstituierender Sitzung am Dienstag offiziell zum ÖBB-Aufsichtsratspräsidenten gewählt worden. Als seine drei Stellvertreter wurden der frühere freiheitliche dritte Natioanlratspräsident Siegfried Dillersberger, der Vorarlberger Fruchtsafterzeuger Franz Rauch und der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, ernannt. Daneben ist, wie berichtet, unter anderem auch der Fluglinienbesitzer und Ex-Formel-1-Weltmeister Niki Lauda in den ÖBB-AR eingezogen.

Kein Thema im Aufsichtsrat war heute die Reform des Eisenbahnerdienstrechts. Dies sei Sache des Vorstands, dieser führe die Verhandlungen, betonte der Aufsichtsratspräsident. Die Urabstimmung unter den Eisenbahnern über die ausverhandelten Reformen läuft noch bis morgen, Mittwoch. Offen ist noch die Neuregelung der Arbeitszeiten. Darüber wollen Vorstand und Gewerkschaft wieder am Donnerstag verhandeln. (APA)

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