"Wir haben alle mit Woodward geredet"

26. April 2004, 17:42
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Weißes Haus bemüht sich nach neuen Enthüllungen um Schadensbegrenzung

Auf der Website des Wiederwahlkomitees für George Bush steht das jüngste Buch von Bob Woodward, „Plan of Attack“, als Lesevorschlag an erster Stelle. Auch Woodward beteuert, Bush selbst sei es gewesen, der „die Geschichte erzählt haben wollte“. Und Außenminister Colin Powell bestätigt: „Wir alle haben mit Woodward geredet. Das war Teil unserer Instruktionen aus dem Weißen Haus.“

Schaden für Bush

Warum dann die Bemühungen zur Schadensbegrenzung, die neuen Interpretationen von Woodwards ziemlich eindeutigen und mit Fakten unterlegten Darstellungen? Weil viele der in dem Buch berichteten Ereignisse Bush im Wahljahr 2004 schaden könnten: So wird darüber disputiert, ob Bush die Entscheidung, den Krieg gegen den Irak zu beginnen, bereits im Jänner, zu einem Zeitpunkt, da die UNO-Inspektoren noch im Irak waren, oder erst kurz vor dem tatsächlichen Kriegsbeginn getroffen hat.

Woodward berichtet von einem Treffen von Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dem saudischen Botschafter Prinz Bandar bin Sultan, in dem Rumsfeld einen streng geheimen Strategieplan ausbreitete und dem Prinzen versicherte: „Das können Sie auf die Bank tragen.“ Prinz Bandar erklärte Montag auf CNN, ihm sei vor diesem Meeting gesagt worden, Bush habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Woodward widersprach vehement: „Es gibt Bänder, die meine Version unterstützen.“ Prinz Bandar will auch kein Abkommen mit Bush getroffen haben, Saudi-Arabien werde kurz vor der Wahl die Ölpreise senken. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry kritisierte die mögliche Absprache heftig: „Wenn das stimmt, ist es widerlich.“

"Höherer Vater"

Powell will von Anfang an in alle Entscheidungen eingeweiht gewesen sein; auch bestehe kein Zwist zwischen ihm und Cheney – ein Dementi, dem man in Washington, wo die Feindschaft Cheney– Powell ein offenes Geheimnis ist, mit Skepsis begegnet. Woodward befragte Bush auch, ob er vor seiner Entscheidung den Rat seines eigenen Vaters eingeholt hätte. Bush habe dies verneint. Allerdings: „Es gibt einen höheren Vater, an den ich mich gewendet habe.“ (DER STANDARD, Printausgabe, 21. 4. 2004)

Von Susi Schneider aus New York
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