Tragische Figur - Von RAU

21. April 2004, 20:45
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Im Grunde müsste US-Außenminister Colin Powell zurücktreten. Wie in dem neuen Buch von Bob Woodward enthüllt wird, wurde er über die sehr frühen Kriegspläne gegen den Irak nicht eingeweiht (wie über so vieles andere auch nicht). Dafür musste er vor dem UN-Sicherheitsrat mehr oder minder getürkte "Beweise" für die Massenvernichtungswaffen vortragen. Jetzt sagt er, die Beweise hätten ein "schwaches Fundament" gehabt. Seine Bedenken gegen den Krieg wurden von den Hardlinern Rumsfeld und Cheney weggewischt. Die Entscheidung von Bush, Sharon in Bezug auf die Siedlungen in den Palästinensergebieten freie Hand zu lassen, ging ebenfalls an ihm vorbei. Was bleibt sonst von Powells Amtszeit? Er hat mit den Europäern einen Minimaldialog aufrechterhalten. Schön, aber in der Financial Times wird ein europäischer Außenminister zitiert, der sagt, es habe keinen Sinn, mit Powell etwas zu verabreden, weil er ohnehin ständig von den Hardlinern overuled werde. Powell war das liberale Feigenblatt in einer Regierung von verbohrten Ideologen. Er hatte seine Bedenken, aber sie zählten nichts. Auch deshalb, weil der ehemalige Geral Powell immer loyal zum Oberkommandierenden Bush blieb. (DER STANDARD, Printausgabe, 21. 4. 2004)
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