Premiere klagt gegen "billigen Kampfjournalismus"

1. Juli 2004, 23:38
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Pay-TV-Sender will "tv-media" auf Unterlassung klagen, kündigt CEO Georg Kofler im STANDARD- Gespräch an

STANDARD: Was haben Sie "tv-media" angetan, dass die so böse über Sie schreiben? "Aufstand der Kunden", "Schock", "abgezockt" lesen wir.

Kofler: Ich bin selbst überrascht, bisher hatten wir ein durchaus freundschaftliches Verhältnis. Auf einmal bin ich der böse Bube. Dafür gibt nur eine Erklärung: Wir haben erfolgreich die Programmzeitschrift "TV Digital" gestartet und die wird als unwillkommener Wettbewerber bekämpft.

STANDARD: Angeblich haben von gut 160.000 österreichischen Premiere-Kunden 50.000 das Heft abonniert.

Kofler: Fast ein Drittel der Premiere-Abonnenten hat schon ein "TV Digital"-Abo abgeschlossen – und das innerhalb von nur vier Wochen. Das ist sicherlich einer der besten Starts eines neuen Printobjektes in Österreich. Den Neid der anderen muss man sich eben verdienen: "tv media" kontert jetzt mit billigem Kampfjournalismus und einer geradezu unterirdischen Kampagne zur gezielten Rufschädigung von Premiere.

STANDARD: Wie reagieren Sie?

Kofler: Wir klagen auf Unterlassung der Behauptungen. Das kann man sich so nicht bieten lassen.

STANDARD: Dass Sie die Preise für Premiere-Abonnenten hinaufgesetzt haben, können Sie aber schwer leugnen.

Kofler: Das hat Premiere seinen Kunden so ausdrücklich und klar erklärt wie kaum ein anderes Unternehmen bei vergleichbaren Maßnahmen. Fakt ist: 15 Prozent der Premiere Abonnenten sind von der Preiserhöhung überhaupt nicht betroffen. 80 Prozent zahlen zwischen fünf und zehn Prozent mehr. 2,5 Prozent liegen zwischen 10 und 20 Prozent. Die letzten 2,5 Prozent hatten Sonderrabatte aus der alten Premiere Zeit, die wir heute so nicht mehr halten können. Diese Kunden haben wir individuell mit einem Brief informiert. Insgesamt haben in Österreich über 99 Prozent der Abonnenten das neue Preismodell akzeptiert.

STANDARD: Die News-Gruppe, zu der "tv-media" gehört, wollte den Auftrag für Ihr Programmheft?

Kofler: Wir haben darüber gesprochen, genauso wie wir in Deutschland mit den wichtigsten Verlagen von Programmzeitschriften einen ausschreibungsähnlichen Wettbewerb durchgeführt haben. "tv media" ist aufgrund eines besseren Angebotes des Springer Verlages nicht zum Zuge gekommen. Ich hätte mir eine souveränere Reaktion erwartet. In Deutschland haben Konkurrenten uns mit Einstweiligen Verfügungen bedroht. Das hatte aber noch eine gewisse Sachlichkeit und professionellen Anstand. Ich bedauere sehr, dass wir uns in Österreich auf einem so minderwertigen Niveau auseinandersetzen müssen. So etwas habe ich in 20 Jahren im Mediengeschäft noch nicht erlebt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.4.2004)

  • Georg Kofler: "Geradezu unterirdisch" findet er die "Kampagne" des Magazins.Zur Person
Der Südtiroler baute Pro Sieben auf, saniert seit 2002 Premiere, an dem er beteiligt ist. Wird am Montag 47.
Das Gespräch führte Harald Fidler.
    foto: premiere

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    Zur Person

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  • Koflers "TV-Digital" gegen ...
    foto: derstandard.at

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  • "TV-Media" aus dem News-Verlag
    foto: derstandard.at

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