Absage der Damenwahl

21. April 2004, 07:00
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Kommentar: Wählen aus dem FF oder was in diesem speziellen Fall gegen die Dame spricht

Ferrero-Waldner oder Fischer? Je nach politischer Couleur der Meinungsforschungs-Institute hat die eine oder der andere die größeren Chancen am kommenden Sonntag zur BundespräsidentIn gewählt zu werden. Das letztendliche Ergebnis werden wir erst am Wahlabend erfahren. Spannend wird es aber auf jeden Fall, denn dieser Wahlkampf wurde mehr als jemals zuvor (auch nicht 1998, als Heide Schmidt und Gertraud Knoll kandidierten) als ein Kampf der Geschlechter kolportiert und weniger als einer um das höchste Amt im Staat.

Mit geschlechtsspezifischen Stereotypien wurde genauso wenig gegeizt wie mit sexistischen Äußerungen und Biologismen herum geworfen. Und all diese absolut obsoleten Zuweisungen, weil den allerorts waltenden Konservativismus demaskierend, kamen nicht nur von emsigen UnterstützerInnen und KommentatorInnen, sondern leider auch allzu oft aus den Mündern der Kandidierenden selbst. Vom Ferrero-Kreis deutlich öfter.

Patriarchale Damenwahl: Darf ich bitten?

Aber nicht nur Benita Ferrero-Waldner selbst, die sich mit "weiblichen Tugenden" à la "Eine Frau versucht zu heilen, zu versöhnen, zusammen zu führen" und dergleichen ungustiösen Anbiederungen anbietet, tappt dabei im biologistisch determinierten Fettnäpfchen, auch absolut gut gemeinte, sich der Frauen annehmenden Männer wie beispielsweise der deutsche Schriftsteller Peter Roos – wie dieStandard.at berichtete. Ihm gehe es zuallererst um SIE als eine FRAU, die er an der Staatsspitze sehen wolle. Denn "die stille Automatik der Virilität" solle endlich unterbrochen werden und "weibliche Kulturtechnik" sich entfalten können. Wenn Roos schreibt, es gehe bei der Wahl um das "Prinzip Patriarchat. Und da stehen Geschlechter-Politiken quer zu Partei-Politiken", dann drückt er sich widersprüchlich aus.

Natürlich ist dieser Wahlkampf ein Kampf der Kulturen, und zwar in dem Sinne, als es innerhalb der patriarchalen Kultur schon immer Widerstand gegen eben diese gegeben hat, wenn auch primär von Frauenseite, aber auch von Männern, die sich durch eigenes Leiden an diesen Strukturen der Egalität verpflichtet fühlen. Insoferne zeichnet dieser Wahlkampf sehr wohl als einer zwischen Ideologien, nicht nur zwischen Rot und Schwarz, sondern zwischen den großen Lagern Links und Rechts, zwischen den Polen Gleichheit und Ungleichheit. Aber keinesfalls zwischen Frau und Mann. Dafür wird er höchstens – quasi als sensationeller Aufhänger - missbraucht.

Obwohl das Amt der/des BundespräsidentIn in seinem politischen Wirkungskreis beschränkt und der Parteiunabhängigkeit verpflichtet ist, geht es wie bislang bei keiner PräsidentInnen-Wahl um die Repräsentanz einer ideologischen Ausrichtung und Macht sowohl innerhalb des Landes als nach außen. Welche politische Kraft hält das Ruder in Händen und symbolisiert ihr Verständnis von Menschlichkeit?

Feministische Damenwahl: Nein danke!

Dies zeigt sich ganz eindeutig an den vielen Statements diverser Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Jene, deren Vorliebe für eine politische Partei bekannt ist, wählen Rot für Fischer oder Schwarz für Ferrero. Daneben existieren noch zwei weitere Wahlbegründungen: zum einen von Männern, die niemals eine Frau wählen würden. Sie entstammen laut Meinungsforschung dem schwarz-blauen WählerInnen-Segment und nehmen "das kleinere Übel", Rot als die "falsche Farbe" diesmal in Kauf. Zum anderen Frauen, die vorgeben, eine Frau an der Spitze des Staates sehen zu wollen, die jedoch – vertrauen wir den Umfragen - einem konservativ-bürgerlichen Frauenideal fröhnen, das feministischen Vorstellungen von tatsächlicher Gleichberechtigung nicht mal ansatzweise in die Nähe kommt.

Berühmtestes Beispiel: die Ex-Frau von Noch-Bundespräsident Klestil. Die prominente Unterstützerin von Ferrero-Waldner begründet ihr Plädoyer neben leeren Sätzen wie "... hat sich für Österreich erfolgreich eingesetzt" vor allem mit äußeren, also kleinbürgerlichen Kriterien. Es müsse eine Frau präsentiert werden, "die auch für Männer wählbar ist. Nicht Politikerinnen mit abgerissenem Pulli und lustiger Frisur". Denn, so Edith Klestil: "Es kommt auf das Äußere an. Denn die Arbeit im Parlament ... dafür interessieren sich viele Wählerinnen nicht".

Und dabei soll es sich nicht um eine Wahl aus dem FF handeln? Ob F wie Ferrero oder F wie Fischer entscheiden die ideologischen Ausrichtungen der Wählenden, was sonst? Bürgerliche wählen in erster Linie F wie Ferrero, da darf es ausnahmsweise auch mal F wie Frau sein. Mit F wie Fortschrittlichkeit hat das nichts zu tun. Und dabei den feministischen Aspekt heran zu ziehen, ist gelinde gesagt ungeheuerlich, wie sich auch Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal über dieses "Liebäugeln mit der Frauensolidarität" echauffiert hat. Und den konservativen Männern ist die F-Frau, die ihrerseits mit den F-lerInnen packelt, so was von wurscht. Denn zu befürchten haben sie nichts.

21.04.2004

Von Dagmar Buchta
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    Damenwahl: Nicht jede Frau wählt eine Frau, nur weil sie eine Frau ist ...
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