"Massenware Luxusgut"

27. April 2004, 11:01
posten

Leistungsschau von Industrie und Gewerbe der Donaumonarchie im Technischen Museum Wien

Wien - Aus dem Zahn des Narwals entstanden Billardkugeln und Klaviertasten, Schildkrötenpanzer wurden zu wertvollen Dosen verarbeitet, die Blüten eines prächtigen Blumentableaus bestehen aus hunderten Schmetterlingsflügeln, und als das beste Schleifmittel für die Oberflächen wertvoller Hölzer galt die Haut des Katzenhais. Doch neben derartigen Pretiosen finden sich in der neuen Ausstellung des Wiener Technischen Museums auch Schrauben, Nähnadeln oder Knöpfe. Der Titel "Massenware Luxusgut" zeigt den Spannungsbogen. Zu sehen sind Produkte aus der Zeit zwischen Biedermeier und Wiener Weltausstellung (1804-1873).

Mehrere zehntausend Objekte umfasst das 1807 auf Initiative von Kaiser Franz I. gegründete k.k. Nationalfabriksproduktenkabinett, das den ältesten und historisch wertvollsten Sammlungsteil des Museums darstellt und auch international zu den bedeutendsten derartigen Kollektionen zählt. Mit der Ausstellung, die ab 22. April zugänglich ist und laut Direktorin Gabriele Zuna-Kratky mindestens zwei Jahre lang gezeigt werden soll, werden die Bestände erstmals nach längerer Zeit wieder präsentiert. "Die Schwierigkeit war nicht, entsprechendes Material zu finden, sondern eine Auswahl zu treffen", meinte Kurator Reinhard Mittersteiner bei der heutigen Presseführung. Rund 1.200 Gegenstände haben es von den Depots in die Ausstellungsvitrinen geschafft.

Vom handwerklichen Schwelgen im unermesslichen Reichtum der Natur, in dem vom Nilpferdzahn bis zum Kokosnusskern alles Rohmaterial für künstlerische Veredelung hergab, wird ebenso ein guter Eindruck gegeben wie vom Beginn des Industriezeitalters, in dem neue Produktionsweisen kostengünstige Massenherstellung ermöglichten. 160 Jahre alte Spiralnudeln sind hier zu entdecken, herrliche Kothgasser-Gläser, in Böhmen hergestellte Feze oder opulente Papier- und Stoffmuster. Als das größte Objekt der Schau gilt ein vom Untergeschoss bis auf das Ausstellungsniveau reichender viele Tonnen schwerer Schmelztiegel, das kleinste ist der museumseigene Floh Karli. Er dient der Veranschaulichung einer aus Elfenbein gefertigten Flohfalle, das die Damen im Dekolletee tragen konnten - als Köder diente ein Tropfen Blut. (APA)

  • Ein Federfächer mit Perlmuttstäbchen 1845
    foto: technisches museum wien

    Ein Federfächer mit Perlmuttstäbchen 1845

Share if you care.