Psychische Leiden von Schulkindern

23. April 2004, 13:00
1 Posting

Mal- und Musiktherapie an der Salzburger Landesklinik

Salzburg - "Nahezu jedes dritte Schulkind leidet heute an einer körperlichen Krankheit, die durch psychische Probleme verursacht worden ist", sagte der neue Leiter des Fachgebietes Psychosomatik an der Salzburger Landesklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Adrian Kamper, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Um die Kinder besser heilen zu können, setzen die Ärzte der Landesklinik auf die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie: Gemeinsam wurden etwa eine Mal- und Musiktherapie für die kleinen Patienten entwickelt.

Die Symptome sind unterschiedlich: "Spannungskopfschmerz bei Schülern, Bauchschmerzen oder Schluckstörungen bieten im Grunde keinen Anlass zur größeren Sorge", sagte Kamper, "halten sich die Beschwerden aber über längere Zeit, könnten sich hinter den vermeintlich harmlosen Beschwerden schwerwiegendere emotionale Probleme verbergen."

Ursache: Überlastete Familien

In Salzburg werden derzeit auf einer 20-Betten-Station zwölf Kinder mit psychosomatischen Beschwerden behandelt, was aber laut Kamper nur die Spitze des Eisbergs sei. Für Primar Wolfgang Sperl, den Vorstand der Landesklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, liegt die Ursache für Krankheiten, die von der Seele verursacht werden, in überlasteten Familien: "Die Kinder stehen oft unter Leistungsdruck, und den Erwachsenen fehlt die Zeit, sich mit den Problemen ihrer Kinder auseinander zu setzen."

Bei der Maltherapie können die Kinder aktuelle Gefühle und Schmerzen beim Malen von Bildern verarbeiten: "Der Schwerpunkt liegt am schöpferischen Prozess", sagte Mal-Therapeutin Walpurga Maria Prommegger, "das Vertrauen in das eigene Können wird gestärkt." Die Kinder geben dem Kunstwerk einen Namen, analysiert würden die Bilder aber nicht.

Körperbezug

"Die Musiktherapie soll den Kindern helfen, wieder einen Bezug zu ihrem Körper zu finden", erklärte Musik-Therapeutin Edith Haberpeuntner. Viele Kinder könnten gar nicht unterscheiden, ob ihnen ein Ton gefalle oder nicht; "es geht um die Frage, wie ich mir mit Musik Gutes tun kann?"

Um einen bleibenden Erfolg zu erlangen, binden die Salzburger Ärzte die gesamte Familie in die Therapie ein. (APA)

Share if you care.