Wiener bot Reisen auf Flugzeugträger an und lebte gut davon

22. April 2004, 15:54
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Doch die Trips fanden nie statt - Betrüger nach drei Jahren entlarvt - 755 wollten unbedingt US-Kriegsschiff sehen

Touristenattraktion Flugzeugträger: Was ein 56-jähriger Wiener in Milizkreisen des Bundesheeres anbot - nämlich Besichtigungsreisen auf ein US-Kriegsschiff -, war nur ein Schmäh. Aber einer, von dem der angebliche Reiseunternehmer drei Jahre lang gut lebte. Nun setzte die Exekutive den Betrügereien ein Ende. Insgesamt gibt es mindestens 755 Opfer, erklärte Mag. Josef Koppensteiner vom Kriminalkommissariat West.

Rege Kontakte in Heereskreisen

Manfred R. aus Mariahilf, ein arbeitsloser Vizeleutnant der Miliz, erfreute sich reger Kontakte in Heereskreisen, die bis in die höchste Offiziersebene reichten. Unter anderem nahm der 56-Jährige regelmäßig an Waffenübungen teil. Vor drei Jahren kam ihm die Idee mit dem Flugzeugträger. Die erste Besichtigung bot er um 1.500 Schilling (109 Euro) an. Seinen potenziellen Opfern erschien das zu wenig. Koppensteiner: "Die Geschädigten haben sich praktisch selbst hinauflizitiert. Sie meinten, bei dem Preis könne das nur eine 'Linke' sein."

Zwei Tage auf Flugzeugträger

Auch 2.500 Schilling erschienen nicht angemessen für einen Flug nach Italien, Abholung von einem US-Helikopter und zwei Tage auf dem Flugzeugträger. Erst bei 330 Euro fühlten sie sich ausreichend gerupft. Den Namen des Schiffes nannte er seinen Kunden im Normalfall übrigens nicht. Nur einmal wurde die "Kitty Hawk" genannt.

Mit seinen Opfern kam der 56-Jährige im Umfeld des Bundesheeres in Kontakt. Man riss sich darum, einige Zeit auf dem Kriegsschiff verbringen zu dürfen. Der mutmaßliche Betrüger meinte bei den Einvernahmen, dass Personen, die ihn früher nicht gegrüßt hätten, plötzlich Schlange standen. Doch R. hatte sein Geschäft offenbar auch entsprechend professionell aufgezogen. Er gaukelte seinen Opfern vor, dass ein Verein der Veranstalter sei, dem unter anderem ein Richter des Europäischen Gerichtshofes angehörte. "Das war natürlich alles nur er selbst", sagte der Kriminalist.

Verschiebungen des Trips

Dass die Reisewilligen den Flugzeugträger nie zu Gesicht bekamen, versteht sich. Manfred R. argumentierte das mit aktuellen Vorfällen, die immer wieder Verschiebungen des Trips notwendig machten. Mediale Ereignisse wie die Liberia-Krise oder den Irak-Krieg halfen ihm dabei, die Verzögerungen plausibel zu machen. Wenn der Druck zu groß wurde, zahlte er die Kosten sogar zurück. 290 Opfer sollen so ihr Geld wieder erhalten haben. Der Verdächtige finanzierte das über neue "Kunden".

Erst im vergangenen Herbst schöpften Opfer Verdacht und erstatteten Anzeige. Erste Polizeiermittlungen ergaben eine Schadenssumme von 22.000 Euro und führten zur Verhaftung des 56-Jährigen. Durch sein umfassendes Geständnis vor den Ermittlern wurde das wahre Ausmaß des Betrugs deutlich. Der Gesamtschaden beträgt rund 230.000 Euro. Manfred R. gab an, davon gut gelebt zu haben.

"Elegant und stilvoll"

Dass ihm nicht alle Opfer seine Betrügereien übel genommen haben, beweist der Anruf eines Geschädigten beim Kriminalkommissariat West. Laut Koppensteiner wollte dieser wissen, wo Manfred R. sich in Haft befindet. "Er wollte ihm die Hand schütteln und gratulieren, weil dieser bei seinem den Betrug so elegant und stilvoll vorgegangen sei", so der Kriminalist.

Die Polizei schließt nicht aus, dass es weitere Opfer gibt. Diese sollten sich beim Kriminalkommissariat West unter der Telefonnummer (01) 31310/25220 DW (Gruppe Kuzniar) melden. (APA)

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