Italienische Irak-Verwalterin: "Lösegeld-Zahlung für Geiseln normal"

21. April 2004, 09:49
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"Man kann zahlen, ohne es zu sagen"

Rom - Barbara Contini, die seit Februar Zivilverwalterin der südirakischen Provinz Tikar ist, rechtfertigt die Zahlung von Lösegeld für die Befreiung von Geiseln im Irak. "Für die Befreiung von Geiseln Geld zu zahlen, ist im Irak normal. Jeder tut das", meinte die italienische Politikwissenschafterin im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Dienstag-Ausgabe). Man könne zahlen, "ohne es zu sagen".

"Seitdem ich im Irak bin, habe ich Dutzende von Entführungsfällen erlebt. Lösegeld zu zahlen ist kein Skandal. Jeder zahlt, das macht man seit Jahrhunderten. Seit dem Ende des Kriegs hat sich das Phänomen verbreitet. Im ganzen Land wurden Tausende von Menschen entführt", meinte Contini.

Contini berichtete, sie wisse nicht, ob die Regierung Berlusconi tatsächlich Kontakte mit den Entführern der drei italienischen Geiseln Salvatore Stefio, Umberto Cupertino und Maurizio Agliana aufgenommen habe. Regierungschef Silvio Berlusconi, den sie in den vergangenen Tagen getroffen hat, habe sich über ein positives Ende der Entführung optimistisch gezeigt.

Die Verhandlungen könnten für die italienischen Geiseln komplizierter sein, weil sie mit Waffen in der Hand entführt worden seien. "Deswegen werden sie auf die gleiche Position der US-Soldaten gestellt", meinte sie. "Ich bin überzeugt, dass die Entführer nichts mit den extremistischen Schiiten zu tu haben, die mit Muktada al Sadr verbunden sind." (APA)

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