Moscovici: Türkischer EU-Beitritt erst in einer Generation

21. April 2004, 20:28
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Auch Fabius sieht keine Eile

Paris - Der ehemalige französische Europaminister Pierre Moscovici, Sekretär für internationale Verbindungen der Sozialistischen Partei (PS), hat sich gegen eine "Instrumentalisierung des EU-Beitritts der Türkei" ausgesprochen. Zugleich betonte er am Dienstag im Fernsehsender LCI, dass man hinsichtlich der Beitrittsbedingungen an Ankara sehr hohe Ansprüche stellen müsse. "Es ist falsch zu sagen, dass der Beitritt der Türkei für morgen ist. Es ist eine Angelegenheit von mindestens einer Generation", sagte Moscovici.

Kein christlicher Klub

Europa sei nicht ein "christlicher Klub". "Es ist nicht deshalb, weil die Türkei ein moslemisches Land ist, dass wir es ablehnen müssen", betonte der sozialistische Politiker. "Was ich allen vorwerfe, die sich in dieser Affäre äußern, seien es Souveränisten, Rechtsextremisten, Christdemokraten oder UMP-Politiker, ist, dass sie sie instrumentalisieren", meinte Moscovici, der die PS-Liste in Ostfrankreich für die Europawahl anführt.

Auch der sozialistische Ex-Premier Laurent Fabius vertrat am Dienstag gegenüber dem Sender "Europe 1" die Ansicht, dass man sich mit der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union "nicht beeilen" sollte. Er legte das Konzept eines Europa aus "drei konzentrischen Kreisen" vor: In der Mitte befänden sich "jene Länder, die schnell in Richtung Europa gehen wollen: natürlich Frankreich, Deutschland und Spanien". Rund herum "eine Anzahl von Ländern, die 25, die wirtschaftlich, sozial weniger fortgeschritten oder aber zurückhaltender sind. Diese sind in Europa, der erste Kreis steht ihnen offen. Ein dritter Kreis umfasst die angrenzenden Länder, die nicht drinnen sind, aber die Abkommen zur Zusammenarbeit haben können." (APA)

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