Neues Match um Grundgebühr

28. April 2004, 10:38
6 Postings

Der Streit um den (abgeschafften) Minimumtarif geht weiter - Die privaten Telekombetreiber verlangen von Telekom Austria und Regulator Kostenwahrheit

Eine deutliche Absage erteilen die alternativen Telekombetreiber den in Brüssel deponierten Wünschen der Telekom Austria (TA) nach einer Abschaffung der Preisregulierung auf dem Endkundenmarkt - der WebStandard berichte. Im Gegenteil, die Regulierung müsse besser werden und insbesondere bei der Grundgebühr auf Kostenwahrheit schauen, betonte UTA-Vorstand Romed Karré in seiner Funktion als Präsident des Verbands alternativer Telekomnetzbetreiber (VAT).

Abschaffung des Schiedsrichters

"Das ist ja so, wie wenn man nach einer Niederlage bei einem Heimspiel die Abschaffung des Schiedsrichters fordert, damit man mit doppelt so viel Spielern antreten kann", sagte Karré in Anspielung auf das – noch nicht rechtskräftige – Urteil des Kartellgerichts, das die TA wegen der Abschaffung des „Minimumtarifs“ zu 500.000 Euro Strafe verdonnert hat. Hintergrund ist eine vom Kartellgericht sanktionierte Diskriminierung der TA-Konkurrenten bei der Benützung der "letzten Meile" zum Kunden.

Generell

"Spiele mit der Grundgebühr gehören generell abgeschafft", meint man beim VAT, denn es könne nicht sein, dass ein 20 Jahre altes Kupferkabel, das schon längst abgeschrieben sei, für Geschäftskunden halb so teuer sei wie für Privatkunden. Die Regulierungsbehörde RTR fordert der VAT nun auf, von der Möglichkeit, den Preis für die monatliche Grundgebühr auf Basis getrennter Rechnungskreise zu ermitteln, endlich Gebrauch zu machen. Damit ließen sich dann faire Großhandels- und Entbündelungspreise für den Mitbewerb errechnen, bei dem die TA-Konkurrenten den Kunden ganz übernehmen, indem sie die "letzte Meile" anmieten.

"20 bis 30 Prozent unter dem Endkundentarif"

Hintergrund ist, dass die Alternativen ihren insgesamt 1,2 Mio. Festnetzkunden (ihnen verrechnet die TA derzeit nur die Grundgebühr) selbst Komplettrechnungen stellen und so die Kundenbindung erhöhen wollen. Das würde bei der TA die Kosten senken, weil der teure Versand entfiele.

Dazu braucht es aber einen Großhandelspreis, der laut Karré "20 bis 30 Prozent unter dem Endkundentarif" liegen müsse. Bis es so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen, denn derzeit bekämpft die TA das Urteil des Kartellgerichts beim Obersten Gerichtshof (OGH) Sollten die Höchstrichter wieder gegen den TikTak-Tarif entscheiden, werde man von der TA Schadenersatz in Höhe von mindestens 30 Mio. Euro fordern. (ung, DER STANDARD Printausgabe, 21.April 2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    VAT-Präsident Romed Karré.

Share if you care.