Honduras' Abzug löst Sorge über Zerfall der Irak-Koalition aus

22. April 2004, 09:52
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Powell telefonierte mit Alliierten

Bagdad - Die Ankündigung von Honduras, dem Beispiel Spaniens zu folgen und seine Truppen aus dem Irak abzuziehen, hat in den USA die Sorge vor einem möglichen Auseinanderfallen der Irak-Koalition ausgelöst. Außenminister Colin Powell versuchte am Dienstag nach eigenen Angaben, sich in zahlreichen Telefonaten der Bündnistreue der übrigen Alliierten im Irak zu versichern. Nach Angaben des honduranischen Präsidenten Ricardo Maduro sollen die 368 Soldaten seines Landes "so schnell wie möglich" heimkehren. Thailand erwägt offenbar ebenfalls den Abzug seiner Truppen.

Bei seinen Gesprächen mit den Außenministern oder Regierungschefs der mehr als 30 US-Verbündeten sei ihm versichert worden, dass sie nicht aus der Koalition ausscheren, sondern den "Job vollenden" wollten, sagte Powell in Washington. Er wollte nach eigenen Angaben noch am Dienstag sämtliche Verbündete abtelefonieren. Die Entscheidung der Regierungen von Spanien und Honduras, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen, bedauerte der US-Chefdiplomat und versuchte, diese mit dem Hinweis herunterzuspielen, Madrid und Tegucigalpa hätten aus innenpolitischen Erwägungen heraus gehandelt.

Der honduranische Außenminister Leonidas Rosa sagte, seine Regierung habe eine "sorgfältige und dringliche Einschätzung der veränderten Lage" im Irak vorgenommen. Die 368 honduranischen Soldaten dienen im südirakischen Najaf unter polnisch-spanischem Kommando. n der Brigade "Plus Ultra" dienen außerdem Soldaten aus El Salvador und der Dominikanischen Republik. Der dominikanische Präsident Hipólito Mejía sagte am Dienstag, dass der weitere Verbleib der Truppe im Irak überprüft werde. Die Truppe wurde seit Dezember sechsmal zum Ziel von Granatenangriffen, was in Honduras eine Diskussion über einen vorzeitigen Truppenabzug entfachte.

Abzug innerhalb von sechs bis acht Wochen

Honduras wird für den Abzug seiner rund 370 Soldaten aus dem Irak sechs bis acht Wochen benötigen. Verteidigungsminister Federico Breve Travieso sagte am Dienstag, seine Regierung sei dabei auf die Kooperationsbereitschaft der USA angewiesen. Diese sollten die honduranischen Soldaten zurückfliegen, nachdem sie im vorigen Jahr bereits den Lufttransport in den Irak übernommen hatten. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die Truppen beim Abzug nicht angegriffen würden.

"Die Koalition im Irak ist stark"

Das Weiße Haus wies Befürchtungen vor einem Auseinanderfallen des Bündnisses zurück. "Die Koalition im Irak ist stark", sagte US-Präsidentensprecher Scott McClellan in Buffalo. Am Montag hatte das Weiße Haus unverblümt seine Kritik über die "abrupte" Abzugs-Entscheidung des spanischen Regierungschefs José Luis Rodríguez Zapatero zum Ausdruck gebracht. Die Regierung in Madrid solle ihr künftiges Handeln "vorsichtig abwägen", um bei "Terroristen oder Feinden der Freiheit in Irak" keinen falschen Eindruck zu erwecken. (APA/AFP)

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