Schlussoffensive mit weiblichen Qualitäten

19. April 2004, 20:20
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Ferrero-Waldner noch einmal in Kärnten

Klagenfurt - "Lieber eine Dame von Format als einen Mann vom Apparat" oder "Benita frischer als Fischer". Solche und ähnliche Kärtchen mit Benita-Slogans finden beim Kärnten-Tag der Hofburg-Kandidatin reißenden Absatz. "Ja, ja, sie ist wirklich eine Erscheinung", meint eine Pensionistin aus Klagenfurt hingerissen: "Immer so fesch angezogen und so tüchtig. Der Fischer, der ist mir zu oberlehrerhaft."

Die in orangefarbene Jacken gehüllten Wahlkampf-Helferinnen freuen sich und wollen den Umworbenen - Fairnessabkommen hin oder her - noch rasch ein "Ferrero-Küsschen" aus Schokolade in die Hand drücken. Das ist der alten Dame dann doch zu süß.

"Ich bin sicher, sie wird es schaffen. Sie geht offen auf die Menschen zu, es ist eine Freude, mit ihr wahlzukämpfen", gibt sich Landwirtschaftsminister und Parteifreund Josef Pröll optimistisch. Er begleitet Benita Ferreo-Waldner auf ihrer zweiten Kärnten-Tour. Ein Treffen mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der Ferrero in der Vorwoche zum FPÖ-Hearing eingeladen hatte, war diesmal nicht geplant. "Ist der nicht in Libyen und raucht Wasserpfeife?", scherzt Pröll. Aber es freut natürlich, dass man nun auch mit Haider-Gattin Claudia eine weitere prominente Unterstützerin aus dem freiheitlichen Lager erhalten hat.

Die ÖVP-Präsidentschaftskandidatin setzt in der Schlussoffensive vor allem ihre weiblichen Qualitäten gegen den eher trocken und sachlich agierenden Heinz Fischer in Szene. Kaum einer entgeht ihrem kampfbewährten Lächeln, geschweige denn ihrer ausgestreckten Grußhand. Eine Volkspräsidentin mit Herz wolle sie sein, betont sie unermüdlich: "Aber ich bin auch eine zugängliche Frau. Ich möchte eine Präsidentin sein, die ihre internationalen Kontakte in den Dienst Österreichs stellt, aber auch in der Leistungsgesellschaft für die sozial Schwachen da ist." Und so sieht auch ihr Terminfahrplan in Kärnten aus. Neben Betriebsbesuchen in Sankt Veit an der Glan oder einem Auftritt vor dem mit hochkarätigen Wirtschaftsleuten besetzten Raiffeisen-Konjunktur-Forum im Veldener Casino wird auch in Spitälern und einer Behinderten-Tagesstätte geworben.

Das Mittagessen bei der Hirter Botschaft in Klagenfurt wird gecancelt. Keine Zeit. Gilt es doch noch unzählige Hörerfragen bei der Telefonstunde der Kleinen Zeitung und im ORF-Landesstudio zu beantworten.

"Mir ist das wurscht, ob die Ferrero kommt oder nicht", meint ein Zaungast und nimmt einen Schluck vom Hausbräu. "Wenn das Wahlkampftheater erst einmal vorbei ist, dann übersehen uns die Politiker eh wieder." Er gehört wie etliche hier in Kärnten nach wie vor zu den Unentschlossenen. (stein, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 20.04.2004)

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