Schuss aus der Schokolinsenschachtel:

19. April 2004, 19:54
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Grischka Voss' bernhard ensemble erklärt im WUK das Jenseits zur kläglichen, aller irdischen Hoffnungen endgültig beraubten Absteige

Statt einem Paradies erklärt Grischka Voss und ihr trotz Nestroypreis von Finanznöten akkompagniertes "bernhard ensemble" das Jenseits zur kläglichen, aller irdischen Hoffnungen endgültig beraubten Absteige. Sie und Ernst Kurt Weigel (Regie) fokussieren in Ab und zu kleine Gemütsschwankungen ausschließlich die freiwillig Verschiedenen. Und man könnte die zum Trotz gar nicht so kleine Produktion auch als Parabel auf das Freie-Szene-Leben lesen. Man mag gar nicht wissen, wie viel Leistung hier auf das ehrenamtliche Konto geht.

Am rohen Bretterboden des Projektraums im Wiener WUK heißt man das Publikum (tituliert als potenzielle Selbstmörder) im Vorhof der ewigen Jagdgründe willkommen. Auf Russisch zunächst, weil das Baltikum, Russland und Kasachstan die Suizidstatistik angeblich anführen. Die hier von Voss als einer wild grimassierenden Workshopleiterin vorgeführte postmortale Bevölkerung eint Schülersuizid (mittels Smarties-Rolle!) und Selbstmordattentat, Liebeskummer- und Twintowersprungtod.

Allein der fabulöse Rahmen (die Toten leben als Zigaretten in einer Zigarettenschachtel und können, wenn sie angezündet werden, geisterhaft auf Wanderschaft gehen) entbehrt aller Notwendigkeit. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2004)

WUK
1090 Wien
Währinger Str. 59
20 Uhr
01/40 121-0
Termine: 22. – 25., 29, 30. April und 1., 2., 6. – 9. Mai 2004
  • Artikelbild
    foto: wuk
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